Vortrag WELS: Beteiligung ist Demokratie

Manchmal sind es die einfachen Wahrheiten, ausgesprochen in schlichten Worten, die Menschen bewegen. So war das auch bei dem Vortrag von Dörte Gebert (Vorstand Das macht Schule), beim World Education Leadership Symposium (WELS) in der Schweiz, vor Fachleuten aus Wissenschaft, Politik und Schule aus 67 Nationen.

Kommentare wie der einer Schulleiterin „Schon allein wegen dieses Vortrags hat sich die Reise gelohnt“ ermutigen, diesem kurzen Vortrag auch hier eine Bühne zu geben – zur Inspiration und Ermutigung. Viel Spaß beim Lesen (und Teilen!). Die Referentin steht für Rückfragen gerne zur Verfügung. Kontaktdaten siehe am Ende des Beitrags.

Guten Morgen, liebe Gäste – vielen Dank fürs Kommen. Mein Name ist Dörte Gebert. Ich bin Vorstand von Das macht Schule, 2006 gegründet von dem Social Entrepreneur und Ashoka Fello Bernd Gebert. Zum Einstieg möchte ich auch von Ihnen gern etwas wissen:

  • Wer von Ihnen kommt aus der Schulpraxis – als Schulleitung, Lehrkraft, Referendar?
  • Wer aus der Schulverwaltung, Ministerium?
  • Wer aus der Wissenschaft?
  • Wer aus dem Unterstützersystem, also Stiftung, NGO?

Mein Thema ist „Partizipation in Praxisprojekten an Schulen als wirkungsvolle Demokratieerziehung“. Das wirft Fragen auf. Davon werde ich 16 jetzt beantworten.

Ich versuch’s damit mal im TED-Format von maximal 18 Minuten. Das lässt Raum, um danach über Ihre weiteren Fragen zu sprechen. Zur Einstimmung hier erst mal ein kurzes Video (Ausschnitt aus: „Lernen im 21. Jahrhundert“ von Patrick Newell):

Lernen im 21. Jahrhundert
Video abspielen

Schulen bereiten nicht ausreichend auf das Leben nach der Schule vor. Jeder, der sich am Leben einer Gemeinschaft beteiligen soll, muss von klein auf Gelegenheit bekommen, dies zu lernen.

Was heißt das eigentlich?

Wir brauchen an Schulen solche Gelegenheiten, sich zu beteiligen. Das ist dann Partizipation: Das Einbeziehen von Kindern und Jugendlichen bei allen Ereignissen und Entscheidungsprozessen, die das Zusammenleben betreffen. Wir müssen Kindern und Jugendlichen in der Schule die Zeit und den Raum geben, Haltung und Orientierung zu entwickeln. Wer Partizipation erlebt, kann bemerken, wie er oder sie durch Handeln die Gesellschaft mitgestaltet.

Warum ist das wichtig?

Jeder soll die Schule mit Kompetenzen verlassen, die nicht nur ein erfolgreiches Leben, sondern auch eine aktive Beteiligung an der Weiterentwicklung der Gesellschaft ermöglichen. Denn die Verantwortung liegt immer bei uns. Sie abzugeben ist keine Option für die Demokratie.

Lehrer und Eltern sehen das als Bildungsziel von Schulen: Es gibt eine 2018 durch forsa im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) durchgeführte Studie, in der 96 % der befragten Eltern und 98 % der Lehrer sagen, dass die Schülerinnen und Schüler vor allem lernen sollten, eigenverantwortlich zu handeln. Die Schule solle soziale Kompetenzen vermittelt, sagen 93 % der Eltern und 98 % der Lehrer und die Persönlichkeitsentwicklung unterstützen (92 bzw. 95 %). 91 % bzw. 92 % erwarten, dass Schule auf das zukünftige Leben vorbereitet.

Ein weiterer guter Grund ist, Schülerinnen und Schüler an der Schulentwicklung zu beteiligen. Dazu gibt es beispielsweise das Projekt PasSe an der PH Zürich, von dem Sie vielleicht wissen.

Bieten Schulen Raum dafür?

Nein. Leistungsdruck und der Fokus auf Noten rauben an den meisten Schulen den Raum für Partizipation, Demokratielernen und Erfahrungslernen. Das, was bisher geschieht, reicht nicht aus. Darüber waren sich Eltern und Lehrer laut der VBE-Studie einig.

Warum ist das so?

Das Schulsystem ist hierarchisch. Es ist so aufgebaut, dass es aussondert, und nicht für Potentiale öffnet. Dementsprechend beklagt sicher nicht nur der VBE die oft zu starren und festgefahrenen Unterrichts- und Schulstrukturen und fordert mehr Freiräume und flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten.

Wie kommen wir denn zu einer besseren Situation?

Das ist ein Querschnittsthema für Schule, Schulverwaltung und Politik. Deswegen spreche ich so gern auf diesem Symposium darüber. Schulen müssen ihre wichtige Rolle für die Entwicklung der Gesellschaft leben und umsetzen.

Der VBE (Verband Bildung und Erziehung, Deutschland) empfiehlt mehr Projekte in der Schule anzubieten, in denen Werte vermittelt werden. (→ Blogbeitrag)

Lernen im 21. Jahrhundert

Was hat das mit Das macht Schule zu tun?

Wir empfehlen Partizipation in Praxisprojekten für Erfahrungslernen – als Grundlage für Demokratieerziehung.

Wie funktioniert das?

Praxisprojekte ermöglichen Erfahrungslernen und fördern Eigeninitiative, Verantwortung und Gemeinsinn – die Grundpfeiler jeder Demokratie. In Praxisprojekten übernehmen Schüler Verantwortung, lernen eigenverantwortlich zu handeln, erleben Werte und üben demokratische Verhaltensweisen ein. Partizipation in Praxisprojekten kann als Methode für Demokratielernen eingesetzt werden. Am besten, wenn das mit Themen der alltäglichen Lebens- und Lernraumgestaltung verbunden wird.

Was muss dafür geschehen?

Es geht um Selbstwirksamkeitserfahrungen. Dafür müssen Lehrkräfte ihren Schülern etwas zutrauen. – Dafür müssen sie sich selbst etwas zutrauen. Und Schulleitungen müssen ihren Lehrkräften etwas zutrauen, Schulverwaltungen ihren Schulleitern und die Politik den Schulverwaltungen. Im gesamten Schulsystem müssen wir weg kommen vom Jammern. Was wir brauchen, ist mehr Zuversicht. Forderungen bringen uns nicht weiter. Wir müssen etwas TUN, wenn wir etwas ändern wollen. „Taten statt Warten“. Sonst ist das, was Hüther, Precht und andere fordern, Makulatur.

Geht das einfach?

Ja und nein. Wir wollen Schülern die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ermöglichen. Wer Selbstwirksamkeit lehren will, muss sie selbst haben. Das heißt, Lehrkräfte müssen Vorbilder werden. Dafür müssen wir die Komfort-Zone verlassen. Es kann sein, dass Schüler solche Angebote nicht gleich annehmen. Und Lehrer auch nicht… Das heißt: Vorleben – Versagen einkalkulieren und weitermachen, bis es gelingt. Eine Regel des Design Thinking, die sich hierher gut übertragen lässt, sagt: „Scheitere früh und oft“ … so lassen sich Probleme lösen! Das braucht die Haltung eines Optimisten, also „verliebt sein ins Gelingen“, wie der Erziehungswissenschaftler Prof.  Dr. Jens Weidner sagt.

Zurück zu Praxisprojekten. Praxisprojekte sind keine einheitlich verstandene Methode.

Praxisprojekt

Was ist eigentlich ein Praxisprojekt?

Wir definieren sie so: Praxisprojekte haben Bezug zur Lebenswelt, ermöglichen „hands on“ selbst praktisch zu handeln, etwas zu schaffen, zu gestalten oder zu erarbeiten, das einen bleibenden Nutzen hat, wie z.B. ein neu gestaltetes Klassenzimmer, reparierte Dinge oder gepflanzte Bäume. Das verbindet sich mit dem Training wichtiger Kompetenzen, Werte- Erziehung und praktischem Demokratielernen.

Und welche Rolle spielt Das macht Schule dabei?

Wir helfen Lehrern Praxisprojekte umzusetzen und Schüler damit stark für die Zukunft zu machen, niedrigschwellig und skalierbar. Jeder Lehrer bekommt bewährte Projekt-Vorlagen, einen Ansprechpartner und eine eigene Projektseite, mit der sein Projekt Vorbild wird und „Schule machen“ kann. Alles kostenlos.

Klasse renovieren

Gemeinsam entscheiden, wie es aussehen soll – im Team zusammenarbeiten – sich lange gemeinsam am Ergebnis freuen – eine aktuelle Studie, die 2019 im Auftrag vom KiKA, dem Kinderkanal von ARD und ZDF, durch das Marktforschungsinstitut „iconkids & youth“ durchgeführt wurde, bestätigt, dass Kinder sich an der Schule wohlfühlen wollen und einbringen möchten. 90 % wünschen sich Mitspracherecht bei der Gestaltung des Klassenraums.

Projektvorlage

Digitale Welt

Wir vermitteln auch gebrauchte Hardware aus Unternehmen an Schulen. Gemeinsam Wünsche realisieren – Kompetenzen einbringen und an Lehrer weitergeben – Verantwortung für Administration übernehmen. → Projektvorlage

Schüler-Reperaturwerkstatt

Sich auf Werte einigen – gemeinsam so organisieren, dass es für alle passt (Kunden, Schüler, Lehrer) – Vorbild werden. → Projektvorlage

Sponsorenlauf

Gemeinsam Ziele finden und sich darauf einigen – in Teams Verantwortung übernehmen- → Projektvorlage

Integration

Sich austauschen, einfühlen, fragen, was gebraucht wird – Gemeinsam Ideen finden und umsetzen. → Projektvorlagen zum Thema

Klima

Bei #Plastikfastenmachtschule mitmachen – Gemeinsam herausfinden, was die besten Quick Wins für den CO2-Footprint der Schule wären, oder eine Klima AG starten.

Ergebnisse

Was ist die Grundlage, auf der ich so darüber sprechen?

In 12 Jahren konnten über 380.000 Schüler profitieren.

Und was machen wir jetzt, wie geht das weiter?

Mit bisher über 380.000 erreichten Schülern und mehr als 2.200 Projekten haben wir gemeinsam mit den Akteuren gezeigt, was möglich ist.  Jetzt wollen wir das auf eine neue Ebene heben und uns dafür einsetzen, dass Praxisprojekte in Schulen zum Standard werden, und dass dafür die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das heißt, wir wollen auf dieser Grundlage den nächsten Schritt gehen, um Praxisprojekte nachhaltig strukturell im System Schule zu verankern.

Allein? – Nein, natürlich nicht, sondern gemeinsam!

Wenn wir am System Schule etwas ändern wollen: Wer sind die Akteure?

Beteiligt sind natürlich Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulbehörden und wahrscheinlich auch Kultusministerien, Pädagogische Hochschulen, Lehrerseminare, Pädagogenverbände, Stiftungen und andere Sozialunternehmen wie wir.

Akteuere im System

Was wollen wir erreichen?

Im Kern wollen wir mehr Teilhabe in Praxisprojekten auch in der Lehrerausbildung, in Schulverwaltungen und Verbänden verankern.

Wie kann das gelingen?

Nur, indem alle Akteure zusammenarbeiten.  Also im Schulterschluss mit Ihnen! Wir stehen am Anfang und bauen auf Synergien.

Einladung zum Dialog

Ich lade Sie alle ein zum Dialog und zur Teilhabe! Wir freuen uns über Partner

  • aus der Wissenschaft,
  • interessierte Stiftungen, mit denen wir Allianzen bilden können
  • Schulen, die Interesse haben, etwas auszuprobieren.

Auf welche Fragen bringt Sie das? Welche anderen Antworten als ich haben Sie?

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