Ideen & Farbe verzaubern die Schule

Schüler und Farbe

Welche Bedeutung hat es für unsere Zukunft, wenn wir junge Menschen als deren Gestalter verstehen – sie aber in Schulen unterrichten, in denen Gestaltung nicht vorhanden ist? Die Stadtteilschule Horn (Hamburg) wurde für mehrere Millionen Euro saniert – innen blieb alles beim Alten: Öde Flure und Treppenhäuser, farblose Türen. Die Schüler entwickelten Ideen und legten selbst Hand an.

Was kann man von jungen Menschen erwarten, wenn in der Schule Eintönigkeit und Farblosigkeit Programm sind? In einem Gestaltungsseminar mit Schülern aus unterschiedlichen Stufen der Stadtteilschule Horn wurden diese Gedanken in einen Film umgesetzt.

Bis zu 14.000 Stunden verbringen Schüler in der Schule. Grund genug, es sich schön zu machen. Und obwohl die Schule außen frisch saniert war, haben 15 Schülerinnen und Schüler aus Klasse 8 bis 13 in einer Gestaltungswoche Ideen für die Innengestaltung produziert, um dann für die Umsetzung in den Schulferien zu sorgen. Dieses Beispiel ist eine schöne Vorlage für Partizipations- und Gestaltungsprozesse in der Schule und eine großartige Möglichkeit Kompetenzen, Selbstwirksamkeit und Werte zu vermitteln. 

Wer selbst Hand anlegt, geht anders mit seiner Umgebung um. Und, wenn andere das nicht tun, achten die Beteiligten darauf, dass nichts mutwillig zerstört wird. Und auf einmal zieht ein ganz anderer Spirit ein…

Der Raum als "dritter Pädagoge"

Der „Raum als dritter Pädagoge“ ist längst ein geläufiger Begriff geworden. Neben den Mitschülern und Lehrkräften hinterlässt auch der Raum Wirkungen auf das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung. Gerade so wichtige Faktoren wie Vielseitigkeit, Kreativität, Werte, Spannung & Neugierde lassen sich wunderbar in der Gestaltung von Lebenswelten abbilden und können so dazu beitragen, dass junge Menschen sie frühzeitig als wichtig anerkennen.

Umso erstaunlicher, dass bei der Grundsanierung einer Schule die Gestaltung der Räume außer Acht gelassen wurden, wie an der Stadtteilschule Horn: Grau gestrichene Betonwände verlaufen entlang dreißig Meter langer Flure bis sie von Treppenhäusern unterbrochen werden, die zur Orientierung in den drei Grundfarben gestrichen sind. Einfaltslos und langweilig. Nichts, das entschleunigt, doch geradezu eine Einladung hier mit Schmierereien den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zu hinterlassen.

Sich selbst Gedanken machen dürfen

Sich selbst Gedanken machen dürfen, wie man sich Schule wünscht, das ist keineswegs üblich. Umso größer ist die Kraft, wenn das mal zugelassen wird. Vieles wurde diskutiert: Wie stellt man kulturelle Vielfalt dar? Warum darf eine Eingangshalle nicht aussehen wie ein Theater-Foyer? Weshalb dürfen Räume nicht Spaß machen? und am Ende stand dann nur noch die Frage: „Wann dürfen wir das endlich umsetzen?“

Nach der Entwurfsphase innerhalb einer Projektwoche und anschließender erfolgreicher Präsentation vor der Lehrerkonferenz mit 120 Lehrern durften endlich die Pinsel geschwungen werden. Was vorher nur im Kopf war und als Versprechen für die Schule samt 1200 Schülern galt, musste sauber umgesetzt werden. Jeder Schriftzug wurde handgemalt, Farbkombinationen wurden ausgiebig getestet und die richtigen Positionen der Grafiken wurde immer wieder diskutiert und gemeinsam abgestimmt.

Dann kam der Wandelhallenwandel

Wandelhallenwandel

Der schlauchartige Eingangsbereich (8m x 30m) war eine Herausforderung. Und die Brandschutzauflagen setzen der Kreativität klare Grenzen. Bauliche Veränderungen waren nicht möglich. Also kamen nur farbliche und grafische Gestaltungen infrage.

Das bisher hinter dunklen Glastüren am Ende des Flures versteckte Veranstaltungszentrum wurde als solches hervorgehoben. In großen Buchstaben steht jetzt „Kunst“, „Musik“ und „Theater“ unübersehbar über den Türen. Das prägt den Raum. Ebenso die Notenbänder an den Treppenwänden und eine Schauspielgruppe aus Schattenfiguren. So wie in alten Kinos kann jetzt mit einem System aus Wechselbuchstaben auf Schienen auf die kommende Veranstaltung hingewiesen werden.

Das Motiv der Schattenfigur wiederholt sich am Lunchroom (der früher Cafeteria hieß). Die um einen Bistrotisch sitzende Gruppe weist darauf hin, was sich hinter der Glastür verbirgt und bisher nicht weiter hervorgehoben wurde. Und viele weitere Ideen wurden umgesetzt. Begleitet wurde das Programm von den Kulturagenten.

Eigentlich gar nicht so schwer, oder? Das Ergebnis beeindruckt. Man braucht nur den Mut, den Prozess zuzulassen und einfach mal anzufangen. Auf welche Ideen bringt dich das? Wo ist der wirkungsvollste Punkt, um so etwas an eurer Schule zu starten? Wir unterstützen euch – garantiert! Auch, wenn es erstmal um die ersten Ideen geht, wie man so etwas in Gang setzt.

Malen
Pause machen
Großeinsatz
Gestalten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.