Vandalismus in der Schule eindämmen

Vandalismus und Gewalt gehören mittlerweile vielerorts zum Schulalltag. Beschädigung und Zerstörung sind oft Ausdruck von Wut, Langeweile und von fehlender Anerkennung. Was tun? Die Vorschläge reichen von der architektonischen Gestaltung über verstärkte Kontrollen und Strafen bis zu Projekten, die eine größere Identifikation mit der Schule ermöglichen. Eine Idee ist, das eingesparte Geld bei abnehmendem Vandalismus den Schülern zugute kommen zu lassen. Damit es dazu kommen kann, braucht es als ersten Schritt wirkungsvolle Prävention. Wir geben hier einen Überblick über die Möglichkeiten und Anregungen, was man an seiner Schule tun kann.

Auch wenn uns die Zerstörung oft sinnlos erscheint – für den Täter hat es einen Sinn. Wer Vandalismus eindämmen möchte, tut gut daran, die Motive der Täter zu verstehen. So fällt es leichter, das Problem an der Wurzel zu packen. Wir sind bereits in unserem Blog-Beitrag „Vandalismus besser verstehen“ darauf eingegangen. Fangen wir mit Identifikation an:

Gute Atmosphäre schafft Identität und Identifikation

Stell dir vor, es ist Schule und alle gehen gerne hin und keiner macht absichtlich etwas kaputt. Utopie? – Keineswegs: Fragt man nämlich Schüler, was sie für wichtig halten, um sich an ihrer Schule wohl zu fühlen, hört man immer wieder atmosphärische Wärme, Gemütlichkeit (auch Sicherheit), eine pfiffige Funktionalität in punkto Architektur und räumlicher Gestaltung.

Der Hälfte der Schüler gefällt die Wandgestaltung bzw. Farbe nicht. Zweidrittel würden gern die Wände streichen.

Für Außenstehende ist dieser Sinn meist nicht zu erkennen. Wer die versteckten Motive der Täter nicht versteht, kann keine gezielten Gegenmaßnahmen treffen. Dem Täter muss, damit er aufhört, die Motivation genommen werden. Leider ist die Bekämpfung von Vandalismus in der Schule kein Sprint, sondern ein Marathon. Eine Aktionswoche kann eine Menge auf den Weg bringen, aber auch danach darf man nicht locker lassen.


Stell dir einfach mal vor wie es wäre in eine Schule zu kommen, die nun sauber und gepflegt ist. Ein tolles Gefühl! Das vermittelt nicht nur den Schülern ein Gefühl der Geborgenheit, sondern hebt auch bei den Lehrkräften die Stimmung. Dazu ist es allerdings notwendig nicht nur über Vandalismus zu reden, sondern auch zu handeln. Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. – Der zweitbeste ist heute.“

Unter Vandalismus versteht man die vorsätzliche Beschädigung oder unerlaubte Veränderung fremder Sachen.

Rund die Hälfte der Schüler würde das gern gemeinsam mit Mitschülern machen. Etwa ein Drittel gemeinsam mit Lehrern Eltern und anderen (Quelle: eigene Umfrage 2008). Und die Realität? Kühle Architektur, lieblos, kalt – oft nur fantasielos weiß gestrichen Wände. Wer hat eigentlich mal die Schüler gefragt, ob ihnen das gefällt? Und was bedeutet es für unsere Zukunft, wenn wir junge Menschen als deren Gestalter verstehen, in Schulen aber Gestaltung keine Rolle spielt? Ein Beispiel: Die Stadtteilschule Horn wurde für mehrere Mio. Euro saniert. Innen blieb sie öde. In einer Gestaltungswoche haben 15 Schüler Ideen produziert und für die Umsetzung in den Schulferien gesorgt. Eine schöne Vorlage für Partizipations- und Gestaltungsprozesse und eine Möglichkeit für Kompetenzerwerb und um die eigene Wirksamkeit zu erfahren. Auf unserer Website haben wir das beeindruckende Video der Stadtteilschule Horn veröffentlicht. Teilhabe ermöglichen, Schülerinnen und Schüler einbeziehen, sie ernst nehmen, das ist also unser erster Tipp. Denn:

Was man selbst gemacht hat, macht man nicht kaputt

Das Magazin Brandeins (09/2007) schrieb über ein Das macht Schule Projekt:

„Wichtiger als Belohnungen ist jedoch die Wirkung der Renovierung: Auf ihren Raum, der nun mattgelb gestrichen ist, mit einer fliederfarbenen Leiste, sind die Schüler der 10a sehr stolz. Sie finden ihn wärmer, freundlicher, nicht so steril wie den Rest der Schule. Würde einer die Wand bekritzeln, bekäme er auf der Stelle Ärger. Mit allen. – Die selbstständig erledigte Neugestaltung stärkt das Verantwortungsgefühl und spart so auch langfristig Geld: Schüler gehen mit den Räumen pfleglicher um, wodurch die Reinigungs- und Reparaturkosten sinken.“

Eine Umfrage der Ludwig-Maximilians-Universität in München von 2010 bestätigt das:

80 Prozent der befragten Lehrkräfte sagen, Schüler gehen achtsamer mit ihrem Klassenzimmer um, es tritt weniger Vandalismus im renovierten Klassenzimmer auf und die Einstellung der Schüler zu fremden Eigentum hat sich verändert.

Christian Grabow, Sozialpädagoge, sagte in einer Das macht Schule Evaluation von 2015, dass eine Klasse, die ihren Raum renoviert hat, diesen stärker als ihren wahrnehmen und auch (re-) präsentieren wird. D.h., dass sie zum Beispiel stärker auf Sauberkeit und Ordnung achtet, nicht nur innerhalb der Klasse sondern auch gegenüber anderen Klassen. Er nennt als Beispiel:

„Ein von Schülern renovierter Klassenraum wurde von einer anderen Klasse genutzt, aber vermüllt und unordentlich hinterlassen. Daraufhin ging die Klasse geschlossen und ohne Rücksprache mit Lehrkräften zu der anderen Klasse um diese zur Rede zu stellen und Reinigung bzw. Aufräumen zu verlangen. Diese tat das dann auch, wenn auch zähneknirschend, da die anwesenden Lehrkräfte die Klasse unterstützten, deren Raum betroffen war.“

Reinhard Zastrutzki, Ganztagskoordinator, sagt in der gleichen Evaluation:

Das Gefühl sich wirklich aktiv in einem temporären Lebensmittelpunkt, nämlich der Schule einbringen zu können, mitgestalten zu dürfen, ernst genommen zu werden, erzeugt in der Folge wiederum eine Nachsorge. […] Der Umgang mit den Einrichtungsgegenständen, den Materialien ist ungleich sorgsamer, die Beschädigungen und Zerstörungen lassen deutlich nach bzw. die Schülerinnen und Schüler passen auf „ihr“ Klassenzimmer auf.

Man fragt sich, wieso dieses so einfach zu realisierende Konzept nur an den cleveren und nicht durchgängig an allen Schulen eingesetzt wird.

Vandalismus, der sich über mehrere Jahre etabliert hat, lässt sich nicht mit einem Schlag endgültig beseitigen.

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Learning: Teilhabe macht aus Schülern „Co-Owner“

Viele Lehrer trauen ihren Schülern solche Projekte nicht zu. Manchmal sogar sich selbst nicht. Viele Schüler glauben sie dürfen sich nicht, können sich nicht und sollen sich nicht einbringen. Damit sind die Weichen gestellt. – Genau das, müssen wir aufbrechen. Das heißt Teilhabe ermöglichen und Schüler zu Co-Ownern machen. Dies kann beispielsweise die Umgestaltung eines tristen Schulhofes zu einer Aktionsfläche sein, die Verschönerung der Schultoiletten, die oft Anlass zu ständigen Ärgernissen sind, oder die Einrichtung von Präsentationsflächen für Schülerideen. Die Projekte helfen den Lebensraum Schule alltagsfreundlicher machen. Fordern Sie Ihre Schüler auf, mit ihren Ideen kritische Aufenthaltsbereiche ins Visier zu nehmen und Anlässe und Möglichkeiten für Zerstörungen zu minimieren. Das schafft eine hohe Identifikation und ermöglicht eine anhaltende Akzeptanz. So werden Vandalismus und Zerstörung zurückgedrängt. – Anstelle eines Graffitis entsteht beispielsweise ein schön gestalteter Aufenthaltsraum.

Kurz: Wer sich wohl fühlt lernt besser, soziale Probleme und Vandalismus gehen zurück. Die Identifikation steigt. Das Lernumfeld gemeinsam zu gestalten hilft Schülern Potenziale zu entfalten. Und auch die Eltern werden staunen. Teilhabe ist eine großartige Selbstwirksamkeits-Erfahrung: „Ich kann, darf, soll sogar. Mein Lehrer, meine Lehrerin trauen mir was zu. Und ich konnte zeigen, was ich kann.“ – Das ist echt cool!

Also sollten wir die Schüler einbeziehen und Praxisprojekte machen. Das macht Schule hilft dabei: Mit Praxiserfahrung, Anleitungen, Vorlagen, einem Ansprechpartner, der während des Projektablaufs professionell begleitet, berät, motiviert und hilft. Jedes Projekt bekommt hier eine eigene Projektseite zum Ausdrucken der Projektstory (für zuhause). Die Möglichkeit, eigene Projekte einem größeren Publikum vorzustellen, schafft die Form von Interaktivität, die Projekte erfolgreich macht. Und das alles übrigens kostenlos.

Vandalismusprävention und Kompetenzerwerb verbinden

Fragen wir die Schülerinnen und Schüler: Wie wollt ihr lernen? Wie sollte euer Lernumfeld gestaltet sein? Und lassen uns von den Antworten überraschen. Allein schon gefragt zu werden, hilft. Vorhandenes wird infrage gestellt und hinterfragt. Das fördert kritisches Denken und löst Ideen aus. Das wiederum regt Vorstellungsvermögen und Kreativität an. Seine Vorstellungen mit anderen zu teilen trainiert die Fähigkeit, sich verständlich zu machen und positiven Umgang miteinander. Die Notwendigkeit, sich untereinander abzustimmen, ist praktische Demokratiebildung. Und die gesteckten Ziele gemeinsam zu erreichen fördert die Teamfähigkeit. D.h. in diesen Projekten fördern wir gleichzeitig die 4 K’s der 21st Century Skills: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. Bingo.

Ordnung und Sauberkeit als Ziele etablieren

Welches Gefühl käme in einem hoch, wenn man den Urlaubsflieger besteigt, einen Blick ins Cockpit wirft und dort herumliegende leere Getränkedosen und Verpackung von Schokoriegel sieht? Sauberkeit und Ordnung vermitteln Sicherheit. Unsauberkeit und Unordnung hingegen beunruhigen die meisten Menschen. Wir sollten lernen:

Ordnung und Sauberkeit sind keine schlimmen Wörter.

Präventive Maßnahmen helfen Schülern, sich korrekt zu verhalten. Wenn ich eine Trendwende an meiner Schule einleiten möchte, ist es sinnvoll, sich nicht nur innerhalb des Kollegiums darüber zu verständigen, ob Ordnung und Sauberkeit als Erziehungsziele wieder verstärkt in den Vordergrund treten sollen. Und selbst problematische Eltern werden sich vor anderen vermutlich nicht die Blöße geben, sich gegen diese anerkannten Erziehungsziele auszusprechen. In einer schmutzigen Umgebung fühlt man sich einfach nicht wohl. Auch für Lehrkräfte ist es unzumutbar, in einem dreckigen Raum zu unterrichten.

Sobald also ein breiter Konsens über diese Ziele besteht, spricht nichts dagegen, dass alle Schüler nach dem Ende der jeweiligen Stunde ihre Stühle hoch stellen und jeweils zwei Schüler den Raum kurz ausfegen. Aber Achtung: das darf nicht nur eingesetzt werden, um dem Schulträger Geld für Reinigung zu sparen, sondern sollte pädagogisch motiviert sein.

Schüler sollten den von ihnen genutzten Raum besenrein hinterlassen.

Wenn Schüler im Sinne einer gemeinschaftlichen Verantwortung den von Ihnen genutzten Raum besenrein hinterlassen, können sich Reinigungskräfte wieder den Bereichen zuwenden (zum Beispiel Tischen), die heute im Zuge von Personalkürzungen beim besten Willen nicht mehr zu schaffen sind. Eine gute Idee ist, dies mit Hausmeister und Reinigungskräften abzusprechen, die diese Initiative bestimmt unterstützen.

Was ist aber, wenn eine Klasse nach einem unvermeidlichen Raumwechsel wieder ihren Klassenraum kommt, in dem jetzt Müll rum liegt? Es kann und darf nicht sein, dass ein Kollege vertretungsweise in einen fremden Raum geht und diesen dann einfach wie einen Saustall hinterlässt, weil es ja nicht „sein“ Raum ist. Deshalb sollte an jeder Tür ein Raumbelegungsplan hängen. Daneben sollte es verpflichtend sein, dass jeder außerplanmäßige Wechsel dem Stunden-oder Vertretungsplaner (oder Sekretariat) mitgeteilt werden muss. Wenn erst einmal klar ist, dass niemand einfach so mit seinen Schülern in einen anderen Raum gehen darf, fällt auch die Ausrede „wir waren das nicht“ flach.

Bei Saustall droht Vertragsstrafe.

Wenn es einen “Schulvertrag“ gibt, kann man hier eine mögliche „Vertragsstrafe“ vereinbaren: Wer erwischt wird, muss mehr als den entsprechenden Bereich reinigen.

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Das E-Book „Vandalismus in der Schule eindämmen“ geht zusätzlich auf folgende Themen ein:

  • Schadensersatz, Strafe und Belehrung sind Dreierlei
  • Architektur: Kleine Maßnahmen – große Wirkung
  • Empfehlungen zu Schultoiletten, auf die keiner gehen will
  • Das Weight-Watchers-Prinzip als Ansporn für mehr Sauberkeit
  • In der Aktionswoche Spuren von Vandalismus gemeinsam beseitigen
  • Die wichtigste Maßnahme: sofort reagieren
  • Wenn Vandalismus-Prävention Geld spart, warum sollen die Schüler nicht davon profitieren

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Weitere Hintergründe und Anregungen sind im Buch „Vandalismus in der Schule“ zu finden, aus dem einige Anregungen und Zitate in diesem Beitrag stammen (Vandalismus in der Schule, von Günter Hoegg, erschienen im Beltz Verlag).

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