Werte: Nicht jeder weiß, was gemeint ist

Werte

Haben wir es mit Werteverfall zu tun oder verstehen die einen nur nicht, was die anderen mit Werten meinen? „Lost in Translation“ lautet der Titel einer 2018 für die Stiftung Wertebündnis Bayern durchgeführten Studie. Darin wurden über 800 junge Erwachsene zu oben genannten Werten befragt. Nur jeder zweite konnte mit dem Begriff „Werte“ etwas anfangen. Unter Demokratie beispielsweise wird vor allem eine Rechtsform verstanden. Das bedeutet Nachholbedarf bei Schulen.

Erstmal die gute Nachricht: Das Vorurteil des Werteverfalls lässt sich nicht bestätigen. Die Ergebnisse zeigen, dass Werte und wertorientiertes Verhalten im Leben der Befragten nach wie vor einen hohen Stellenwert haben. Die schlechte Nachricht: Die jungen Erwachsenen tun sich bereits mit der Erklärung des Wortes „Werte“ schwer. Es besteht kein einheitliches Verständnis des Oberbegriffes „Werte“ und der jeweiligen Einzelwerte. Die Verwendung dieser Begriffe wird den individuellen Lebenswelten, Erfahrungen und Wahrnehmungen der jungen Menschen nicht mehr gerecht und dringt somit auch nicht durch. Darum auch der Titel der Studie: „Lost in Translation“.

Eine weitere Beobachtung ist eine zunehmende Ego-Zentrierung in unserer Gesellschaft. Diese zeigt sich in der vorliegender Studie darin, dass Werte im persönlichen Kontext eine höhere Relevanz haben und vor allem im individuellen Umfeld gelebt werden. Persönliche Vorteile und der Schutz der eigenen „Peer-Group“, basierend auf werteorientiertem Verhalten, sind wichtiger als positive Auswirkungen für die Gesellschaft. Verstärkt wird diese Empfindung durch die Tatsache, dass weniger als 40 Prozent der Befragten angeben, sich aktiv dafür einzusetzen, dass Werte in unserer Gesellschaft gelebt werden.

Abschließend beleuchtet die Studie die Frage, wie Werte entstehen. Die Familie mit ihrer zentralen Orientierungsfunktion ist sehr bedeutend, aber unterstützende gesellschaftliche Einrichtungen wie Schulen schöpfen ihr Potenzial zu wenig aus. Auch in der Politik gibt es anscheinend ungenutztes Potenzial. Nur 6 Prozent sagten, wenn Politiker im Fernsehen eine Rede halten, glaube ich Ihnen, was sie sagen. 36 Prozent hinterfragen was sie hören, der Rest ist skeptisch, glaubt nichts oder hört erst gar nicht hin. Hinsichtlich der Wirksamkeit von Projekten zur Steigerung des Wertebewusstseins, aber auch bei der Vermittlung von Lehrinhalten zeigen sich also Optimierungsmöglichkeiten.

Die Vermittlung von Werten erfolgt über das „Erleben“. Weil Werte also nicht kognitiv, sondern vielmehr über Erfahrungen und Emotionen gebildet werden, sind Praxisprojekte so wichtig. Hier können Schülerinnen und Schüler durch eigene Betroffenheit den direkten Nutzen von Werten erleben, die dann klar benannt werden können. Die Studie erläutert, dass Werte besser im individuellen Kontext vermittelt werden können, als mittels übergreifender, allgemeiner Begriffe und Erklärungen. Das unterstreicht auch sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE (Verband Bildung und Erziehung): „Kinder und Jugendliche brauchen ein Wertesystem, in dem sie sich orientieren können.“ Das finden auch der größte Teil aller Eltern und Lehrkräfte: Kinder sollen mehr Werte in der Schule lernen (wir haben in unserem Blog darüber berichtet).

Zum Wertebündnis

Das Wertbündnis Bayern fragt: Demokratie, Teamgeist, Verantwortung – welche Werte zählen? Es will junge Menschen zum Nachdenken über Wertefragen anregen, mit ihnen diskutieren und zum Handeln ermuntern. Das Bündnis wurde 2010 vom Bayerischen Ministerpräsidenten initiiert und ist nach eigenen Aussagen inzwischen bundesweit ein Erfolgsmodell, um Werteorientierung und Wertebildung bei jungen Menschen zu fördern. Mehr www.wertebuendnis-bayern.de/das-wertebuendnis

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