Schüler-Reparaturwerkstatt starten

Eine Schüler-Reparaturwerkstatt ist wie ein Repair Café in der Schule. In Repair Cafés treffen sich Menschen, um gemeinsam kaputte Sachen zu reparieren. Walter Kraus, Physiklehrer an der Rudolf-Steiner-Schule in München-Schwabing, fragte sich, wie man das auf eine Schule übertragen kann. Schließlich fördert so eine Reparaturwerkstatt  entdeckendes Lernen an realen Aufträgen und öffnet die Schule ins soziale Umfeld. 2016 gründete er Deutschlands erste Schüler-Reparaturwerkstatt. Inzwischen gibt es sie als Wahlpflichtfach für die 9. und 10 Klasse, für die 5. bis 8. Klasse in der Ganztagesschule und für die 11. Klasse im Technologieunterricht. Damit haben jeweils 12 Schüler zweimal wöchentlich Gelegenheit, Geräte zu reparieren. Jetzt hat die Schule einen 70-seitigen Praxisleitfaden zur Verfügung gestellt – zum Nachmachen: Reparieren macht Schule. Das macht Schule unterstützt Lehrkräfte, diese Idee an der eigenen Schule umzusetzen.

Die Schüler-Reparaturwerkstatt leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Schülerinnen und Schülern in der Pubertät. Sie trägt zur Umweltbildung bei, zu besserem Ressourcen- und Wertebewusstsein und ermöglicht eine Öffnung der Schule ins soziale Umfeld. Wichtige Kompetenzen werden gefördert, wie zum Beispiel, nachzufragen und Dinge zu hinterfragen, Kreativität, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und Kommunikation – beispielsweise im Umgang mit Reparatur-Kunden.

Gemeinsam kaputte Sachen reparieren – raus, aus der Wegwerfgesellschaft.

Das Konzept

Die Schüler-Reparaturwerkstatt hat mehrmals in der Woche für anderthalb Stunden geöffnet. Dann können „Kunden“ (Eltern, Lehrkräfte, Schüler, die Geräte von zu Hause mitgebracht haben) reparaturbedürftige Gegenstände abgeben. Für die Annahme gibt es einen Laufzettel, der zusammen mit dem Kunden ausgefüllt wird. Repariert wird nach dem Grundsatz „first in first out“, damit keine Ladenhüter entstehen. Die Schüler arbeiten selbstorganisiert in Zweiergruppen an mehreren Arbeitsplätzen. Sie versuchen eigenständig herauszufinden, was kaputt ist und nutzen dabei ihre Sinne (was fällt optisch auf, was kann man ertasten, hören, riechen?) und eventuelle Vorerfahrungen. Wenn das nicht reicht, informieren sie sich im Internet, auf YouTube, Hersteller-Seiten oder Reparaturforen. Und erst wenn sie alleine nicht weiterkommen, wenden Sie sich an die ehrenamtlichen Reparaturanleiter. Falls Ersatzteile beschafft werden müssen, werden diese in Rücksprache mit den Kunden bestellt. Die Kommunikation mit den Kunden wie auch Zwischenmeldungen zum Reparaturstand etc. erfolgen eigenständig durch die Schüler.

Die Reparatur ist für die Kunden – abgesehen vom eventuellen Ersatzteilaufwand – kostenfrei. Freiwillige Spenden, ausschließlich für die Werkstattausstattung, werden natürlich gern angenommen.

Lernen sich selbst zu helfen – und anderen

Bewusst wird die Schüler-Reparaturwerkstatt nicht als wirtschaftliches Unternehmen organisiert. Es geht vielmehr darum, sich uneigennützig in den Dienst Dritter zu stellen, ohne die Erwartung von materieller Belohnung. Die „Belohnung“ besteht ausschließlich im Reparaturerfolg und in der Befriedigung, etwas für andere zu tun – und dabei selbst viel zu lernen.

In der Pubertät stellt sich den Jugendlichen die Aufgabe, einen eigenständigen Zugang zu sich selbst, zu anderen und zur Welt zu finden.

In der Schüler-Reparaturwerkstatt müssen Jugendliche eigenständig Dinge in die Hand nehmen und lernen dabei zwangsläufig sich selbst in der Begegnung mit der Welt besser kennen. Es geht darum, nichts mehr gesagt zu bekommen, sondern es selbst herauszufinden. Die Reparaturwerkstatt bietet diese Erprobungsmöglichkeit: statt kleinschrittige, genaue Einführung, „entdeckendes Lernen“. Die Reparaturanleiter helfen nicht sofort, sondern halten sich im Hintergrund. Die Jugendlichen sollen lernen, sich selbst zu helfen. Welche größere Sicherheit kann es im Leben geben, als das Vertrauen, bei Schwierigkeiten Lösungen zu finden und nicht den Mut zu verlieren.

Spaß am Tüfteln

Reparieren macht Spaß. Besonders mit Jugendlichen. Sie sind neugierig, stellen interessierte Fragen und haben gute Ideen. Indem sie heraustüfteln, wie es – oder warum es nicht mehr – funktioniert, gewinnen sie „Einsichten“. Das befriedigt nicht nur die Neugier. Jugendliche bekommen so eine ganz pragmatische Chance, sich mit der sie umgebenden technischen Welt auseinander zu setzen, sie kennen zu lernen und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig lernen sie mit praktischem Bezug den achtsamen Umgang mit Rohstoffen und Energie kennen und die Tricks von Herstellern zu durchschauen, um die Lebensdauer von Geräten zu begrenzen.

Starter-Set für deine Schule

Die Schüler-Reparaturwerkstatt in München-Schwabing läuft seit 2016 sehr erfolgreich. Jetzt hat die Schule ihre Erfahrungen in einem 70-seitigen Praxisleitfaden für andere Schulen zur Verfügung gestellt, der kostenlos runtergeladen werden kann. – Dies und noch viel mehr zum Thema findet sich unter www.das-macht-schule.net/schulreparaturwerkstatt. Für alle, die noch spezielle Fragen haben, gibt‘s dort auch FAQs zum Thema – aus der Praxis für die Praxis.

Hilf mit, damit viele Schüler-Reparaturwerkstätten entstehen!

Vorstellung des Praxishandbuchs inkl. Tagung

Termin

  • Freitag den 23. November2018
  • Samstag den 24. November 2018

2 Tage, Teilnahme  kostenlos.

 

Ort

Rudolf-Steiner-Schule

Leopoldstraße 17

80802 München

 

Information

Programm auf Anfrage.

 

Anmeldung

kontakt@das-macht-schule.net

040 609 409 99

Übrigens: Das Video wurde als Werbefilm von Schülerinnen und Schülern der Rudolf-Steiner-Schule in München-Schwabing erstellt. Prima, oder?

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