FAQs zur Schüler-Reparaturwerkstatt

Wir danken der Rudolf-Steiner-Schule München-Schwabing, die 2016 Deutschlands erste Schüler-Reparaturwerkstatt ins Leben gerufen hat, dass sie ihre Erfahrungen hier teilen.

Nein, man kann auch aus einem anderen Fachbereich kommen. Es reparieren ja die Schülerinnen und Schüler und, falls sie Hilfestellung benötigen, stehen ihnen erfahrene Reparaturanleiter zur Seite. Als Lehrkraft sollte man jedoch die Leidenschaft und Überzeugung mitbringen, sich für einen Wandel von der Wegwerfgesellschaft zur verantwortlichen Wertegesellschaft einzusetzen, damit die vorhandenen Ressourcen auch noch weiteren Generationen zur Verfügung stehen.

Zunächst gelten die allgemeinen Unfallverhütungsvorschriften und Erste Hilfe-Maßnahmen der Schule. Wegen der Aufsichtspflicht ist die Anwesenheit einer Lehrkraft zwingend erforderlich. Falls stromführende Geräte repariert werden, muss eine Elektrofachkraft für die Prüfung und Endabnahme der Geräte zur Verfügung stehen. Die Schülerinnen und Schüler sollten vor Beginn der Arbeiten eine erfahrungsbezogene Sicherheitseinweisung bekommen. Bewährt hat sich die Verwendung eines Schutzadapters über dem Netzstecker des zu reparierenden Gerätes, der es den Schülerinnen und Schülern unmöglich macht, defekte Elektrogeräte an die Steckdose anzuschließen. Sie können trotzdem den Durchgangswiderstand prüfen und so einen möglichen Kabelbruch als Defekt entdecken. Auch die verschiedenen technischen Schutzmaßnahmen, die die Hersteller von Elektrogeräten getroffen haben, werden erläutert. Bevor ein repariertes Gerät dem Kunden übergeben wird, muss eine Sicherheitsprüfung nach DIN VDE 0701 durchgeführt werden. Hierfür ist es notwendig, ein Prüfgerät für den VDE 0701 Test anzuschaffen. Bei den Messungen werden der Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand und der Ersatzableitstrom gemessen. Im offenen Zustand wird das Gerät auch einer Sichtprüfung unterzogen. (→ Näheres findet sich im Praxisleitfaden „Reparieren macht Schule“).

Grundsätzlich verfügt jede Schule über eine Schulhaftpflichtversicherung. Wir empfehlen jedoch, sich darüber hinaus eingehend mit dem Thema Haftung zu befassen. Nach entsprechenden Recherchen haben wir für unsere Reparaturwerkstatt folgenden Weg gefunden: Die Entbindung von der Haftung (= Verpflichtung zum Schadensersatz) muss mit den Kunden schon bei Übergabe des defekten Gerätes geklärt und in einer entsprechenden Rubrik des Annahmebogens festgehalten und durch Unterschrift bestätigt werden.

Die Rudolf-Steiner-Schule startete mit 1.000 Euro für den Werkzeugkauf für fünf Arbeitsplätze (vier für Elektro-, einer für Fahrradreparaturen). An einem Arbeitsplatz können zwei Schüler bzw. Schülerinnen arbeiten. Zusätzlich haben wir die Elternschaft gebeten, gebrauchte und nicht mehr benötigte Werkzeuge und Schrauben zu spenden. Diese Werkzeuge setzen wir auch für unseren mobilen Arbeitsplatz ein, der zum Einsatz kommt, wenn es im Schulhaus etwas zu reparieren gibt. Zu einem späteren Zeitpunkt haben wir zwei weitere Arbeitsplätze für Elektroreparatur eingerichtet und uns einen 3D-Drucker zur Herstellung von nicht erhältlichen Ersatzteilen angeschafft. Eine Holzwerkstatt ist in Vorbereitung, ihre Einrichtung wird aus Spendengeldern finanziert.

Das hängt natürlich davon ab, in welcher zeitlichen Struktur die Reparaturwerkstatt eingebaut wird. Die Rudolf-Steiner-Schule in München-Schwabing hat die Schüler-Reparaturwerkstatt als klassenübergreifendes (freiwilliges) Angebot im Wahlpflichtfachbereich für die 9. und 10. Klasse begonnen, in Form eines zwölfwöchigen Kurses mit jeweils drei Doppelstunden pro Woche. Im darauffolgenden Schuljahr haben wir die Schüler-Reparaturwerkstatt auch in der Ganztagsschule für die Klassen 6 bis 7 als durchgängigen Kurs mit einer Doppelstunde an einem Nachmittag über das ganze Schuljahr angeboten. Im Schuljahr 2017 haben wir die Schüler-Reparaturwerkstatt zusätzlich auch noch im Pflichtfach Technologie für die 11. Klasse eingeführt. Hier reparieren jeweils zwölf Jugendliche vier Schulstunden am Stück an einem Tag in der Woche. Dann wechselt die Gruppe. Doppelstunden (90 Minuten) sind nach den Praxiserfahrungen unumgänglich, da es oft schon sehr lange dauert bis ein Gerät geöffnet ist. Dann noch den Fehler zu finden und vielleicht auch noch ein benötigtes Ersatzteil zu bestellen, anschließend wieder den Arbeitsplatz aufzuräumen und das Gelernte zu notieren, braucht seine Zeit.

Das hängt natürlich von den zur Verfügung stehenden Arbeitsplätzen und der Zahl der Betreuer ab. Die Rudolf-Steiner-Schule München-Schwabing hat gute Erfahrungen mit einer Gruppengröße von maximal zwölf gemacht. Für diese Größe sollten mindestens eine Lehrkraft und ein bis zwei ehrenamtliche Reparaturanleiter zur Verfügung stehen.

Erfahrungsgemäß ist es günstig, wenn je ein ehrenamtlicher Reparaturanleiter vier bis sechs Schülerinnen und Schüler unterstützen kann. Bei der Begleitung bilden erfahrungsgemäß nicht fachliche Fragen die größte Herausforderung für die Reparaturanleiter, sondern die Fähigkeit, Zurückhaltung zu üben und offen für kreative Ideen der SchülerInnen zu sein. Die Begleitung sollte die Jugendlichen vor allem darin unterstützen, selbst Lösungen für die Reparatur zu finden. Unterstützende Fragen der Betreuer nach dem Fehlerbild oder der erwarteten Funktion können bei der Fehlersuche helfen. Nebenbei, und nur am aktuellen Bedarf orientiert, können auch einige Hintergrundinformationen die Zusammenhänge leichter verständlich machen. Zieht sich ein Reparaturprozess in die Länge, mag es schon mal nötig werden, die Jugendlichen zum Durchhalten zu ermutigen.

Bei den Arbeiten der Schüler-Reparaturwerkstatt handelt es sich um Reparatur-Versuche, es kann keine Garantie für einen Erfolg gegeben werden. Generell gilt: Welche Reparaturen sich für die Schüler-Reparaturwerkstatt eignen, hängt von den jeweiligen Erfordernissen der Objekte ab. Als ungünstig haben sich Geräte erwiesen, bei denen der Fehler im nicht zugänglichen bzw. nicht via Anleitungen oder Internet durchschaubaren elektronischen Bereich liegt, sowie besonders gefahrenträchtige Objekte. Grundsätzlich ausgeschlossen von der Annahme sollten sein: Objekte mit antiquarischem Wert, Kunstgegenstände, Musikinstrumente, Elektrogeräte mit erhöhtem Gefahrenpotenzial (z.B. Geräte mit Hochspannungsbetrieb), medizinische Hilfsgeräte.

Die räumlichen Bedingungen sind sehr an die Gruppengröße gebunden. Pro Schüler/in sollte man mit 2 m² Raumbedarf rechnen. Als Arbeitsplatz benötigt ein Zweierteam einen Tisch mit einer Holzplatte von mindestens 140 cm Breite und 60 cm Tiefe als Schutzauflage, damit man das defekte Gerät und z.B. Messgeräte und die Lötstation sicher abstellen und einen kleinen Schraubstock gut montieren kann. Damit das Werkzeug gut erreichbar ist, sollte es an einem am Tisch montierten Lochregal aufgehängt werden. Zweckmäßig sind kleine Schubladenregale in erreichbarer Nähe für Klein- und Ersatzteile. Gute Beleuchtung ist erforderlich, möglichst viele Regale sind nützlich, ebenso ausreichend viele Stromanschlüsse. Wenn schwerpunktmäßig Reparaturen an elektrischen und elektronischen Geräten erfolgen, ist ein separater Messplatz für Funktions- und Endabnahmeprüfungen empfehlenswert. Dazu braucht es zwei an das Internet angeschlossene PCs sowie eine ausreichende Werkzeugausstattung an den Arbeitsplätzen. → Im Praxisleitfaden „Reparieren macht Schule“ finden sich dazu ausführliche Angaben.

Am einfachsten ist erstmal eine Rund-Mail an die Elternschaft mit dem Aufruf: „Tüftler“ gesucht! Also wer selbst Interesse und Zeit hat oder jemanden kennt, der / die infrage käme (Nachbarschaft, Bekannte, Großeltern). Auch pensionierte Lehrkräfte aus Berufs- und Gewerbeschulen kommen als zweifach qualifizierte Team-Mitglieder in Frage. Jüngere Fachleute, die voll im Berufsleben stehen, kommen meist nicht infrage. Einen Versuch ist es wert, bei Handwerksverbänden, der Innung oder Handwerkskammer nachzufragen, bei Ehrenamtsbörsen (Internet), auf Facebook, dem Nachbarschaftsnetzwerk www.nebenan.de oder der örtlichen Bürgerstiftung. Oder mal bei einem Repair Café in deiner Nähe nachfragen? – Auf welche weiteren Ideen bringt dich das?

In den deutschsprachigen Ländern gibt es eine aktive Repair-Café-Community und eine Vernetzung von Reparatur-Initiativen. Du kannst über verschiedene Kanäle mit anderen in Repair Cafés Erfahrungen austauschen, (Reparatur-)Tipps geben, Fragen stellen und voneinander lernen. Konkrete Reparaturtipps sind auch auf der Homepage der Repair Cafés zu finden oder bei ifixit, einem kostenlosen Online-Reparaturhandbuch für alles, geschrieben von allen. Und natürlich die Tipps aus dem Praxisleitfaden. Auch die Abfallwirtschaftsbetriebe vor Ort kann man ansprechen.