DigitalPakt – Hilfe aus der Zivilgesellschaft

Digitale Schule

Bei der Digitalisierung an Schulen ist Deutschland Ent­wicklungsland. Und die Mittel aus dem DigitalPakt Schule fließen kaum ab. Denn um die zu bekommen, müssen Schulen ein technisch-pädagogi­sches Medienkonzept vorlegen. Das fällt schwer. Hier hilft jetzt die Zivilgesell­schaft: Damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss, hat die Initiative Das macht Schule mit finanzieller Unterstützung der Datev Stiftung Zukunft auf einer Website hilfreiche Informationen und Best Practice-Beispiele aufbereitet, die seit wenigen Tagen online sind.

Grundsätzlich ist das Bildungsdreieck Lehrer, Schüler, Eltern offen für das Thema Digi­talisierung. 80 Prozent der Lehrkräfte sehen hierin große Chancen für ein erfolgreiches Lernen (YouGov Studie 2019). Sie bestätigen, dass Schüler bei Lernvideos, Internet­recherchen und modernen Präsentationsprogrammen aktiver und aufmerksamer sind und wünschen sich einen vielseitigeren Einsatz digitaler Medien in der Schule. 98 Pro­zent der Schüler erwarten, dass ihnen in der Schule die Computerkenntnisse vermittelt werden, die sie später brauchen. 90 Prozent der Eltern sehen das genauso. Allerdings ist für 61 Prozent der Schüler die Nutzung elektronischer Medien im Unterricht immer noch die Ausnahme (wie diverse Studien von Bitkom, VBE, Learntech und der Bertels­mann Stiftung bestätigen). Insbesondere für sozial Benachteiligte bedeutet das schlechte Chancen beim Berufseinstieg, von den Folgen für die Wirtschaft ganz zu schweigen.

Für den Digitalisierungsprozess braucht Schule dringend Unterstützung. Der „Digi­talPakt Schule“ ist ein guter Treiber. Allerdings darf die Motivation, die aus der Möglich­keit erwächst, an den 5 Mrd. Euro aus dem DigitalPakt teilhaben zu können, jetzt nicht verpuffen. Denn die Kehrseite der Medaille ist: Bisher fehlt an vielen Schulen die not­wendige Hardware, ist veraltet, kaputt und das Internet zu langsam. Damit fehlen ge­nau die Rahmenbedingungen, unter denen Lehrkräfte digitale Kompetenzen im Schul­alltag trainieren und damit auch die Sensibilität dafür entwickeln können, was in einem technisch-pädagogischen Medienkonzept ihrer Schule stehen sollte. Denn ohne das gibt es keine Mittel aus dem DigitalPakt. Vor diesem Hintergrund können nur schwer gute Konzepte entstehen – wenn überhaupt. Vielleicht ist das sogar einer der schwer­wiegendsten Fehler im System

Eltern und Schüler stehen dem oft kopfschüttelnd gegenüber. Der Schulweg wird zur Zeitreise: von der digitalen Welt zu Hause in die „digitale Steinzeit“ an der Schule. Die schlechte technische Ausstattung und fehlende Kompetenzen der Lehrkräfte gehen Hand in Hand. Schulen sollen eine pädagogische Haltung gegenüber der Digitalisierung entwickeln und die damit verbundenen Veränderungen kritisch begleiten. Das braucht Anregungen, Motivation und pragmatische Unterstützung. Wäre die Digitalisierung ein Produkt, würde man sagen, das Marketing hat geschlafen. Aber nicht überall. Sachsen beispielsweise beweist, dass es auch anders geht. Schaut man sich die entsprechenden Websites der einzelnen Bundesländer an, findet man dort eine große Spreizung in der Service-Qualität bzw. wie Schulen ermutigt und unterstützt werden.

Unterstützung, Motivation und konkrete Hilfe wird gebraucht, damit nicht jede Schule das Rad neu erfinden muss. Mit Förderung der DATEV Stiftung Zukunft konnte die gemeinnützige Initiative Das macht Schule ein entsprechendes Angebot zur Verfü­gung stellen. Bernd Gebert, Gründer von Das macht Schule: „Wir wollen die Umsetzung des DigitalPakts unterstützen. Dafür stellen wir Schulen Medienkonzept anderer als Vorlage kostenlos zur Verfügung, ergänzt durch Handreichungen, Links zu den Websites der Kultusministerien und weiterführenden Infos.“ Eine Zusammenstellung von Videos aus der Praxis macht das Thema „Digitalisierung“ auch für Skeptiker anfassbar. Das Angebot unter www.das-macht-schule.net/digitalpakt soll inspirieren, sich konkrete Gedanken zu machen, wie die digitalen Möglichkeiten im Schulalltag genutzt werden können. Gebert: „Wir helfen Fragen zu beantworten und Akteure untereinander zu vernetzen.“ Ziel ist, möglichst vielen Schulen zu helfen, ein gutes Medienkonzept zu entwickeln, um an Mittel aus dem DigitalPakt zu kommen, digitale Kompetenzen bei der Jugend zu fördern und Lehrkräften ihre Arbeit zu erleichtern.

Schulentwicklung braucht Vernetzung. Die Erfahrung zeigt: Auch hier ist Potenzial. Nicht jede Schule sieht auf Anhieb, welchen Wert es hat, erarbeitete Dinge mit an­deren zu teilen. Gebert freut sich über die Bereitschaft von Schulen aus ganz unter­schiedlichen Bereichen, ihre Medienkonzepte zur Verfügung zu stellen, und zwar von der AG Schul­bibliotheken Berlin-Brandenburg, der Evangelischen Schule Berlin Zent­rum, einer allgemeinbildende Gesamtschule (Waldorfschule) aus München, dem Son­derpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt Ler­nen aus Mosbach  sowie der Freiherr vom Stein Oberschule, Nordhorn. Vernetzung schätzt auch Dr. Sebastian Sprenger von der Datev Stiftung Zukunft: „Wir freuen uns über die Verknüpfung zu Angeboten anderer Förderpartner wie den Digitalen Helden und der Initiative „Datenschutz geht zur Schule“ vom Bundesverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD).“

Teilen entspricht humanistischen Werten. Wenn wir der gesellschaftlichen Diskus­sion folgen und etwas am „System Schule“ ändern wollen, braucht das Solidarität und gegenseitige Hilfe. Sonst können wir lange warten, wie der DigitalPakt lehrt. Also kann man gespannt sein, wie schnell sich die Zahl der Best Practice Beispiele auf der Digital­Pakt-Seite von Das macht Schule vermehrt. So gesehen ist dies auch ein Versuch die zutiefst humanistischen Werte von „Teilen, Geben und einander Dienen“ neu zu bele­ben – an den Schulen, wie auch in den Ministerien.

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