Kräuterschnecke

Steckbrief

Freies Projekt

39365 Ummendorf (Sachsen-Anhalt)

Grundschule

Projektleiter: Christian Grabow

Klassenstufe: 1-4

Teilnehmer: 6

Läuft bis: 10.07.2018

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Unser Schulgarten hatte durch die Beete für jede einzelne Klasse und die alten Obstbäume bereits viele tolle Hingucker.  Aber in einer Ecke stand ein alter Baumstumpf, der nicht nur dem Rasenmäher im Weg stand, sonden auch zu klein war, um Nistmöglichkeiten für Kleintiere zu bieten. Das Loch, das bei einer Rodung entsteht, hätte man natürlich schnell wieder mit Grassamen verdecken können – oder man man macht das Loch noch etwas größer und baut eine Kräuterschnecke darauf. So entstand die Idee für ein Projekt in den Sommerferien 2018.

 

Viele kennen eine solche Konstruktion auch unter dem Namen Kräuterspirale, die es auch in zahlreichen Varianten gibt. Wir entschieden uns für das klassische Basismodell, bei dem von einem etwa 1m hohen Podest linksdrehend eine Windung nach unten führt und in einem kleinen Teich endet. Durch die Drehung nach außen entsteht aus einer einzigen Wand eine zweiseitig abgegrenzte Fläche, in der Kräuter angepflanzt werden können.  Der Vorteil einer Kräuterschnecke liegt darin, dass auf einem recht kleinen Raum viele Kräuter mit unterschiedlichen Standortbedingungen gedeihen werden können. Im oberen Bereich ist der Boden sehr sandig und wird im Verlauf der Windung immer humoser und feuchter. Die Mauern einer Kräuterschnecke können aus unterschiedlichsten Materialien bestehen (Feldsteine, Backsteine, etc.). Das Fundament besteht aber immer aus Bauschutt, auf dem Kies aufgeschichtet, der dann als Drainage fungiert und die Feuchtigkeit über die Drehung nach unten hin leitet. Darauf folgt eine Schicht Erde, in der dann die Kräuter letztlich ihre neue Heimat finden. Die Mauersteine einer Kräuterschnecke sind (fas) niemals durch Putz oder Mörtel verbunden. Sie werden so aufgeschichtet, dass sie sich versetzt und nach nach innen neigend selbst stützen und durch das entstehende Wurzelwerk der Pflanze zusätzlichen Halt bekommen. Schon die alten Inkas nutzten diese Bauweise um ihre berühmten Terassenfelder in den Anden anzulegen. Außerdem entstehen so Nischen und Hohlräume in den Mauerspalten, die von Kleintieren wie Insekten, Eidechsen oder auch Mäusen genutzt werden können. Es gibt auch Kräuterspiralen, die eine Igelhöhle beinhalten – allerdings wollten wir der bereits vorhandenen Igelhöhle in unserem Schulgarten keine Konkurrenz machen.

 

Die meisten Materialien konnten wir von der Gemeine Ummendorf erhalten, die am Dorfrand einen großen Lagerrplatz für Straßenbaureste besitzt. Dadurch waren schon einmal Steine, Sand und Kies in ausreichender Menge vorhanden.

Allerdings waren es etwa 500 m zwischen Schulgarten und Lagerplatz und wir hatten nur eine Schubkarre – für 6  Grundschüler und einen Schulsozialarbeiter also eine enorme Herausforderung, insbesondere im Sommer 2018. Aber für alles gibt es eine Lösung. Das Auto hätte zwar auch genutzt werden können, aber der Schmutz und die geringe Ladefläche schlossen diese Möglichkeit recht schnell aus. Wie so oft im Leben, kam es auf ein gutes Netzwerk an und das ist in zahllosen Fällen ganz einfach die Familie. Wie schön ist es doch einen Neffen zu haben, der einen großen Anhänger besitzt und rein zufällig gerade sein Haus umbaute, wodurch der Anhänger ebenso rein zufällig voller Bauschutt war.

Nach einem kurzen Telefonat konnten also nicht nur die Baumaterialien herangeschafft werden, sondern auch das Problem des noch fehlenden Bauschutts gelöst und dem Anhängerbesitzer auch noch der Weg zur Deponie erspart werden.

Endlich konnte es losgehen. Zuerst musste der alte Baumstumpf raus und die Größe der Spirale festgelegt werden. Wir entschieden uns für einen Durchmesser von 2,5m. Der Eingang der Kräuterspirale sollte nach Süden ausgerichtet sein.

 

Die ersten Steine sind gelegt

 

Mit einer Wanduhr, die wir auf den Boden legten, bestimmten wir die Himmelsrichtungen. (Wenn man den Stundenanzeiger auf die Sonne ausrichtet, liegt Süden in der Mitte zwischen dem Stundenzeiger und der 12 auf dem Ziffernblatt.)

 

Alle haben Spaß

 

Nachdem der Boden etwa 40 cm tief ausgehoben wurde, war der erste Tag auch schon so gut wie vorüber. Die Temperaturen hatten nicht nur den Boden steinhart werden, sondern auch recht bald die Kräfte schwinden lassen. Zum wohlverdienten Feierabend waren aber alle sehr zufrieden und freuten sich schon auf die nächsten Arbeitsschritte.

 

Ab an die Spaten

 

Am folgenden Tag wurde die erste Lage Steine aufgeschichtet und ebenso das Bauschuttfundament. Spiralförmig wurden nun weitere Steine aufgemauert, wobei auf eine leichte Neigung nach innen und einen Versatz der Steine untereinander geachtet wurde. Nach unten hin flacher werdend, wurden die Steine weiter gestapelt, bis sie vor dem Loch für den Teich wieder auf Bodenniveau ankamen.  Die entstehende Fläche zwischen den beiden Mauern wurde mit dem restlichen Bauschutt abschüssig gestaltet und schließlich mit Kies bedeckt.

 

Es geht los

 

Recycling von Schutt

 

Es fehlt nur noch die Füllung

 

Das Fundament und die Drainageschicht waren am zweiten Tag fertig – ebenso wie wir.

 

Fast fertig!

 

Am dritten und letzten Tag wurde die Erde, die vom Aushub übrig war und
der Sand auf der fast fertigen Kräuterschnecke verteilt. Letzte
Kleinigkeiten wie z.B. die Anzahl der Versatzstufen auf der Außenmauer
wurden angeglichen und natürlich der Rasen von Bauschuttrestenbefreit.
Aufräumen gehört halt auch im Schulgarten immr dazu.

 

Das Grundgerüst steht

 

Leider war an ein Bepflanzen noch nicht zu denken. Denn erst mussten
sich die Hohlräume schließen, die noch im Bauschutt und auch in der Erde
vorhanden waren. Bedauerlicherweise funktioniert das nur durch ein paar
Regenschauer – und die waren im Sommer 2018 leider äußerst selten und
im Herbst lohnt sich ein Anpflanzen nicht mehr. Daher wurde die
Bepflanzung auf das nächste Jahr verschoben. Aber wie heißt es so schön:
Vorfreude ist die schönste Freude und auf das Werk können alle
Beteiligten mehr als stolz sein.

 

Geschätzt wurde etwa 1 t Baumaterial verbraucht. Der Clou dabei ist, dass nahezu alles aus Stoffen besteht, die ansonsten auf der Deponie gelandet wären oder jahrelang rumgelegen hätten, es sei denn, man hätte einige davon zur Staßenausbesserung nutzen können. Auf die Weise wie wir sie verwendet haben, ist aus schwer recyclebaren Materialien, insbesondere dem Bauschutt, ein kleine Oase des Lebens entstanden. Wir freuen uns darauf zu sehen, wie das Leben Einzug halten und wer und was sich alles ansiedeln wird – das Unkraut tut es zumindest schon.

 

Für weitere Infos, Tipps und Bauanleitungen zum Thema Kräuterspirale, die auch realtiv schnell auf einem Schulhof errichtet sein kann, empfehle ich das Buch „Wie baue ich eine Kräuterspirale?“ von Irmela Erckenbrecht

 

 

UPDATE MÄRZ 2019:

 

Die letzten Schritte

 

Der Frühling ist endlich da und  die Kräuterspirale konnte aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden. Das hieß vor allem natürlich erstmal das Unkraut entfernen, das es sich schon gemütlch gemacht hatte. Ein positives Zeichen war auch, dass wir viele Regenwürmer fanden, die sich die Kräuterspirale als neus zu Hause auserkoren hatten.

 

Die restliche Erde wurde ebenfalls verteilt und alles noch einmal gründlich aufgelockert. Ein paar Regenschauer mussten wir noch abwarten und dann konnten wir endlich die ersten Kräuter einpflanzen, dazu zählten unter anderem Kamille, Lavendel, Rosmarin, Currykraut, Rauke und Petersilie.

 

Weitere  Kräuter werden noch folgen, aber gerade für die mediterranen wie z.B. Oregano oder Basilikum ist es noch etwas zu kalt in den Nächten. Einige Kräuter müssen außerdem um die Kräuterschnecke herum gepflanzt werden, da sie sich zu stark ausbreiten und andere verdrängen würden. Aus der Kräuterspirale wird also bald eine ganze Kräuterecke. Dafür muss aber zunächst noch ein wenig Rasen umgegraben werden, damit genügend Platz vorhanden ist.

 

Kräuterschnekce bepflanzt 1

 

Das ist unser vorläufiges Endergebnis. Wir sind gespannt, wie die Kräuter sich entwickeln werden und natürlich wer sich noch alles ansiedeln wird.

 

UPDATE APRIL 2019

 

Kräuterschnekce bepflanzt 2

 

Das gute Wetter konnten wir nutzen, um die Ecke für die Kräuter freizumachen, die nicht unbedingt in die Kräuterschnecke gehören, da sie sie sonst überwuchern würden. Die letzten Kräuter konnten ausgepflanzt werden und nun sind wir gespannt, was sich entwickeln wird.

 


 

Das macht Schules Kommentar: Selbst aus Bauschutt lassen sich tolle Dinge zaubern, die Pflanzen und Tieren eine neue Heimat geben. Eure Tatkraft ist wirklich beeindruckend!

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