Juniorwahl – Demokratie hautnah erleben

Steckbrief

Freies Projekt

20144 Hamburg (Hamburg)

Stadtteilschule Lohbrügge & Ida-Ehre-Schule

Projektleiter: Holger von Stillfried

Klassenstufe: 8 - 13

Teilnehmer: 800

Läuft bis: 26.05.2019

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Alle Jahre wieder gibt es Wahlen: Landtags- bzw. Bürgerschaftswa aushlen – Volksentscheide – Bundestagswahlen – Europawahlen.
Juniorwahl.de vermittelt den Schülern Demokratie in Realitätsnähe!

 

Schüler erleben Demokratie hautnah und nahe an der Realität in der Schule.

 

An dieser Stelle möchte ich von einer Erfolgsgeschichte erzählen. Ich bin IT-Systemverwalter zweier Stadtteilschulen und im privaten Leben schon seit vielen Jahren Wahllokalleiter. Als ich das erste Mal von einer stattfindenden Juniorwahl in einer meiner beiden Schulen hörte, bot ich dem Fachleiter Politik meine Unterstützung an. Nicht nur, weil ich den Wahlablauf aus der Praxis her sehr gut kenne, sondern auch, weil ich Kontakt zu vielen Schülern aus allen Jahrgängen habe und so das Wahlhelferteam auf eine breite Basis stellen kann.
Das lief beim ersten Mal so gut ab, dass ich zur darauffolgenden Wahl aufgefordert wurde, dies zu wiederholen.
Die Schüler können nun also am eigenen Leib erleben, was der Unterschied zwischen Diktat und Demokratie ist: Besetzen die Schüler die Positionen im Wahllokal selber oder lassen sie es durch einen „Entscheider“ durchführen?
Außerdem lasse ich die Schüler das Wahllokal komplett alleine führen! Nach eingehender wiederholter Information des leitenden Schülers ziehe ich mich zurück und spiele die Rolle der Wahlgeschäftsstelle. Die kann nicht vor Ort direkt eingreifen, sondern nur Antworten auf Fragen geben. Natürlich halte ich mich im Wahllokal auf und schaue mir den Ablauf an, nehme mir aber auch Arbeit mit, die ich nebenbei erledige.

 

Was ist zu tun?

Der Wahlvorgang für den Wähler ist sehr einfach. Die Menge macht es arbeitsreich. Und die Fehlerprüfung ist wichtig. Wer wird gefragt, wenn Sonderfragen während des Wahlablaufes entstehen? Ich gehe bei meinem Beispiel davon aus, dass an einem zentralen Ort für die ganze Schule gewählt wird.

 

Fangen wir an: Der Wähler kommt ins Wahllokal, wie zum Beispiel die Aula. Dort wird ihm ein Stimmzettel ausgehändigt. Der Wähler geht dann in eine Wahlkabine und macht sein Kreuzchen. Beim Schriftwart weist der Wähler sich aus (Schülerausweis oder persönlich bekannt –> Lehrer geht zusammen mit seiner Klasse zur Wahl) und wirft seinen Stimmzettel in die Wahlurne, nachdem der Schüler im Wählerverzeichnis (in Zusammenarbeit mit dem Schulbüro erstellt) abgestrichen wurde.

 

Bei diesem vereinfachten Wahlverfahren fehlt die Briefwahl und die Wahl in anderen Wahllokalen als dem eigenen, wie in der Realität möglich.

 

Die Problematik für die Schulorganisation ist: Wie bekomme ich zentralisiert ca. 800 Schüler (Jg 8-13) innerhalb von 4 Stunden durchgeschleust?
Hier ist das Durchsetzungsvermögen der Schüler des Wahlhelferteams gefordert. Sicher eine Aufgabe, mit der sie wachsen können und werden.

Von www.juniorwahl.de gibt es Wahlkabinen. Ich habe sie ergänzt auf 8 Stück aus Überbleibseln meines Wahllokales. So hat jeder Schüler die Zeit, die er benötigt…

 

Das Wahlhelferteam besteht aus folgenden Personen:

1) Der Einlaßsteuerer: Da zwei bis drei Klassen gleichzeitig wählen sollen, (eine verspätet sich bestimmt…), bestimmt dieser, wann der nächste Schüler das Wahllokal betreten darf. So entsteht beim Schriftwart kein Gedränge…
2) Der Stimmzettelausgeber: Er gibt jedem Schüler einen Stimmzettel (eigentlich erst nach Vorlage des Schülerausweises).

3) Der Wahlkabinenzuweiser: Da im coolen Schülerdurcheinander gerne Quatsch gemacht wird, hat diese Person die Aufgabe, den Schülern eine freie Kabine zuzuweisen. Natürlich auch im Auge zu haben, dass auch wirklich GEHEIM gewählt wird, und keiner beim anderen „abguckt“.

4+5) Die beiden Schriftwarte: Sie haben vor sich das Wählerverzeichnis liegen (das der Wahllokalleiter vor der Wahl in Zusammenarbeit mit dem Schulbüro erstellt hat), das nach Klassen oder Alphabet sortiert ist.

Der Schüler nennt also seine Klasse und legt seinen Schülerausweis vor oder läßt sich durch seinen Lehrer – als persönlich bekannt – ausweisen. Damit wird ein entsprechender Haken im Wählerverzeichnis gemacht. Dann darf der Schüler seine Stimme in die Wahlurne werfen und verläßt das Wahllokal.

6+7) Springer: Wenn durchgehend gearbeitet wird, können diese beiden Wahlhelfer einspringen, wenn jemand auf Toilette oder einfach mal kurz Pause machen möchte. Auch wenn man sich für einen Zweischichtbetrieb (wie in der Realität) entscheidet, wird ein „Springer“ benötigt.
Zum Auszählen, nach Ende des Wahlvorgangs, müssen alle Wahlhelfer wieder anwesend sein, damit der Zählvorgang zügig ablaufen kann.

 

Die Wahl selber besteht aus folgenden Teilen:

A) Wahlvorbereitung
B) Wahllokalaufbau
C) Wahlvorgang
D) Stimmenzählung
E) Abbau des Wahllokales sowie Anfertigung der Wahlniederschrift und Online-Meldung der Stimmenergebnisse

 

zu A) Wahlhelfer müssen gefunden werden: An der einen Schule habe ich aus den Jahrgängen 6-11 je 1-2 Schüler gewinnen können, denen ich ausreichende und andauernde Konzentration zutraue. Hier habe ich bestimmt, wer welche Aufgabe übernimmt. Über den Job des Springers ist der Wahllokalleiter flexibel, doch noch die Tätigkeiten anpassen zu können. Die Aufgabe des Wahllokalleiters wird einem Schüler aus einer höheren Klasse zugeordnet.

An der anderen Schule ist es eine 12. Klasse, aus der sich Schüler zusammengefunden haben, die alles demokratisch selbst organisieren. Da gebe ich die Rahmenbedingungen vor und brauche mich um nichts anderes zu kümmern.

Ich habe im Vorwege das Wählerverzeichnis erstellt. D.h. das Schulbüro gab mir einen Export der Schülernamen. Diese Liste wurde für den Druck aufbereitet. Außerdem sollte die Gesamtzahl der Schüler bekannt sein. Eigentlich sollte eine laufende Nummer vergeben werden, aber das ist für die Wahl in der Schule nicht elementar wichtig.

Wie o.g., übernehme ich in beiden Schulen die Position der Wahlgeschäftsstelle.

Natürlich habe ich auch am PC eine Tabelle erstellt, mit der automatisch die gezählten Zahlen addiert werden, sodaß die Auswertung leicht und schnell erfolgen kann.

Dies ist je nach Wahl (Europa, Bundestag, Landtag, Kreistag, Volksentscheid) anzupassen.

 

Projekt für den Werk-  und Kunstunterricht:
Eine Wahlurne sollte im Werkunterricht (oder den Kollegen in der Werkstatt) hergerichtet und durch die Kunst gestaltet werden. Natürlich kann man auch einen Kopierpapierkarton nehmen und mit Paketband fest verkleben. Viel erlebnisreicher und authentischer ist doch so eine selbst hergestellt Box. 🙂

 

Wahlurne 2 - STS Lohbrügge Wahlurne 3 - STS Lohbrügge Wahlurne an der Ida-Ehre-Schule

 

zu B) In der Vorbereitung wurde ein Termin über die Schulleitung gefunden. Infolge dessen muß der Raum reserviert und die Breitstellung der Möbel gewährleistet werden. Am Wahltag müssen rechtzeitig Tische und Stühle aufgebaut werden. Die Wahlkabinen werden evtl. auf den Tischen fixiert. Jede Kabine erhält hierbei einen Stift. Natürlich werden Ersatzstifte benötigt, falls jemand aus Versehen einen mitnimmt. Ich schlage die Verwendung von Bleistiften vor!

Vor dem Start des Wahlvorgangs werden alle Wahlhelfer zur Verschwiegenheit aller personenbezogener Ereignisse während des Wahlvorganges verpflichtet. Ebenso aller Namenseigentümlichkeiten, die evtl. bekannt werden. Danach überzeugen sich alle Wahlhelfer, daß die Wahlurne leer ist und vor deren Auge sicher verschlossen wurde. Der Schlüssel wird durch den Wahlleiter verwahrt.

 

zu C)  In der Planung wurde festgelegt, von wann bis wann gewählt werden kann. Stehen zum Endzeitpunkt noch Wähler vor dem Wahllokal, sind alle Wahlberechtigten noch herein zu lassen. Erst, wenn der letzte Wähler seine Stimme abgegeben hat, wird das Wahllokal „geschlossen“. Natürlich nur „virtuell“, da auch der Zählvorgang öffentlich ist. Jeder darf zuschauen, allerdings OHNE Kommentare und in aller Ruhe.

 

Wahlbüro an der Ida-Ehre-Schule

 

zu D) Ist das Wahllokal geschlossen, werden die Wahlkabinen abgebaut und die Tische zusammengestellt, die Wahlurne geöffnet und auf den Tischen ausgeschüttet.

 

Als erstes wird die Gesamtheit der Stimmzettel gezählt.

Parallel dazu addiert der Schriftwart die Summe der Stimmen jeder Seite des Wählerverzeichnisses.

Beide Summen müssen übereinstimmen!

 

Als nächstes werden die Stimmen sortiert und gezählt. Auch hier muß natürlich die Summe aller Parteien wieder die gleiche sein.

Alle Ergebnisse werden wie vorgegeben an juniorwahl.de gemeldet.

 

Zum Ende der Wahl geht der Schriftwart die Listen nochmal durch und prüft auf eigene Flüchtigkeitsfehler. Nach Wahlende werden die Summen aller Blätter des Wählerverzeichnisses addiert und die Summe dem Wahllokalleiter berichtet.

 

zu E) Abbau des Wahllokales und Einlagern der Wahlkabinen sowie der Wahlurne.

Eigentlich werden Wahlniederschrift und Stimmzettel der Juniorwahl von niemandem eingefordert. Von daher sind die Unterlagen evtl. nach einer kurzen Lagerungszeit fachgerecht zu entsorgen.

 


Weitere Materialien:

Aufforderung zur Wahlurnengestaltung


 

Das Projekt wurde am 14. November 2019 ausgezeichnet. Übergeben hat die Auszeichnung Herr Rudolf, Landeswahlleiter. Hier ein Auszug aus der Laudatio:

Wir finden an dem Projekt besonders toll, dass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, sich vor wichtigen Wahlen mit den politischen Parteien und deren Positionen auseinanderzusetzen und somit politische Bildung ganz praktisch vermittelt wird. Der Wahlprozess wird von Schülerinnen und Schülern eigenverantwortlich durchgeführt und somit Problemlösungskompetenz und Selbstwirksamkeitserfahrung gefördert. Die gesamte Schule macht bei der Juniorwahl mit – ob als Wahlurnengestalter, Wahlhelfer oder Wähler. Sie leben vor, wie gesellschaftliches Engagement funktioniert. Dafür zeichnen wir Ihr Praxisprojekt aus – als ein Vorbild für ganz Deutschland und für praktische Demokratieförderung.

 

 

Juniorwahl Ida Ehre

 

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