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Der Raum ist der dritte Pädagoge

Steckbrief

Freies Projekt

6060 Sarnen (Schweiz)

GrundacherSchule

Projektleiter: Karin Anderhalden

Klassenstufe: Kiga bis 9. SJ

Teilnehmer: 70

Läuft bis:

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Der Raum ist der dritte Pädagoge

Zitat von
Loris Malaguzzi, Begründer der Reggio Pädagogik

 

Die GrundacherSchule ist eine Privatschule und befindet sich  im Herzen der Schweiz. Sie führt drei altersgemischte Klassen: Kindergarten bis 2. Klasse, 3. – 6- Klasse und 1. – 3. Oberstufe. Den Kindern und Jugendlichen stehen zwei Häuser zur Verfügung: ein 100-jähriges Wohnhaus und ein Neubau mit verschieden grossen Räumen und einem Theater- und Musiksaal. Diese Räume werden von 60 Kindern und Jugendlichen und neun Lernbegleiter*innen belebt. Die Schüler*innen dürfen in ihrem eigenen Tempo, an immer neu gewählten Arbeits-und Spielplätzen an ihren individuellen Kompetenzen arbeiten.

 

 

               

 

 

Menschen, die die GrundacherSchule besuchen fragen oft, wo denn nun hier die Schulzimmer seien. Ja, wir haben ein ganz konkretes Bild, wie Schulräume aussehen sollten: für jedes Kind einen Tisch und einen Stuhl, vorne Wandtafel, Leinwand und Whiteboard, auf der Seite Schränke oder Gestelle, voll mit Ordnern und Büchern. Vielleicht hängen irgendwo noch Bilder der Kinder oder es gibt eine kleine Spielecke für die Fünfminutenpause. An der GrundacherSchule findet man diese Art von Schulzimmern nicht. Es gibt verschiedene, grössere und kleinere Räume, in jeder Vierjahrgangsklasse einen Sitzkreis mit Sitzkissen, wenig Schränke, dafür umso mehr Regale voller anregender Lern- und Spielmaterialien.

 

Die erste Frage, die wir uns bei der Einrichtung unserer Räume gestellt haben, war: «Warum sehen Schulen eigentlich nicht wie Kindergärten aus?» Anregendes, schön angeordnetes Spiel- und Lernmaterial, einige Plätze an Tischen, viel freier Platz am Boden, wo man auch liegend oder kniend arbeiten und spielen kann, Kuschelecken und Nischen, ein Werktisch, Leseecken und einen Kreis für gemeinsame Aktivitäten. Als Kindergärtnerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kinder sich in solchen Räumen sehr wohl fühlen, kreativ werden, gut fokussieren und je nach Tätigkeit ganz unterschiedliche Plätze aussuchen. Die einen arbeiten gerne am Tisch, andere ziehen den Boden vor, wieder andere brauchen es weich und gemütlich. Gerade Kinder mit grossem Bewegungsdrang gehen gerne umher, legen sich auf den Boden oder arbeiten besser auf Wippstühlen.

 

 

             

 

 

Und eigentlich wissen wir es alle: auf einem Stuhl zu sitzen ist genau die Position, die Kindern am wenigsten entspricht. Warum also sind denn Schulzimmer voller Tische und Stühle? Weil wir vielleicht hoffen, dass die Kinder sich ruhiger und geordneter verhalten und dem Unterricht besser folgen? Ja, man könnte meinen, dass in anregend gestalteten Räumen, in denen die Kinder jederzeit umhergehen können, viel Unruhe herrscht. Aber das Gegenteil ist der Fall. Kinder und Jugendliche, die sich frei bewegen dürfen, sind ausgeglichener, konzentrierter, regenerieren sich selbst und können den Bewegungsdrang jederzeit abbauen.

 

Wenn also der Raum der dritte Pädagoge ist, sollte dieser Pädagoge auch ein vielfältiges Repertoire an Angeboten haben, die alle Lerntypen und Sinne ansprechen. Der Pädagoge ist auch dafür verantwortlich, dass eine Atmosphäre der Harmonie und des Wohlbefindens herrscht. Ruhige Farben, natürliche Materialien, eine übersichtliche Ordnung und schön angeordnete Lernmaterialien machen den Raum zu einem liebevollen Pädagogen. Und wenn der Raum als dritter Pädagoge liebevoll ist, gehen seine Nutzer*innen auch liebevoll mit ihm um.

 

 

                

 

 

Besucher fragen auch oft, wie wir das denn hinkriegen, dass die Schüler*innen so ruhig, konzentriert und motiviert arbeiten und spielen. Dann erzählen wir vom dritten Pädagogen, der da ist für die Kinder, ihre Natur unterstützt und nicht gegen sie arbeitet. Auf die Frage, was man denn in einem ganz normalen Schulzimmer unternehmen könnte, dass der dritte Pädagoge etwas freundlicher wird, gibt es nur eine Antwort: die Hälfte der Tische raus und Bodenplätze schaffen, mit Regalen im Raum Nischen gestalten, alle Lern- und Spielmaterialien für die Kinder sichtbar und erreichbar anordnen und Lernplakate durch schöne Bilder ersetzen. Sie werden staunen, zu welchen Wundern der dritte Pädagoge fähig ist.

 

Karin Anderhalden

Kindergärtnerin, Schulleiterin der GrundacherSchule und Erwachsenenbildnerin

Website der Schule: http://www.grundacherschule.ch/

 

                 

 

 

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