JuMp – Jugend unterstützt Mitmenschen persönlich

Steckbrief

Integration in der Schule

21027 Hamburg (Hamburg)

Stadtteilschule Kirchwerder

Projektleiter: Ole Opitz

Klassenstufe: 5-10

Teilnehmer: 24

Läuft bis: 30.12.2020

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Außerschulisches Engagement ist aufgrund zeitlicher Einbindung durch den schulischen Alltag nicht immer möglich. Einigen Schülerinnen und Schülern fehlt eine gewisse Eigenständigkeit sowie der persönliche Antrieb. Durch das Projekt „JuMp“ wird diese Schwierigkeit umgangen, sodass persönliches Engagement in den Zeitgrenzen des Unterrichts stattfinden kann. Viele Jugendliche sind konform geworden: Es fehlt an Leidenschaft, an persönlicher Neigung, an Verbindlichkeit, aber auch an Bewusstsein für den eigenen Wert, sowie für den unserer Mitmenschen. JuMp bietet Unterstützung darin, aktiv zu werden. Unserer Überzeugung nach ist es wichtig, soziales Bewusstsein zu stärken und unsere Mitmenschen zu unterstützen. Jüngere SchülerInnen könnten für soziales Handeln aus eigener Motivation durchaus empathisch sein, dieses soll gefördert und beibehalten werden. Soziales Handeln bereichert nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch SchülerInnen beim Sammeln von Erfahrungen. Gerade ab dem fünften Jahrgang bis zum vollendeten zehnten Jahrgang erscheint das Projekt „JuMp“ als sinnvoll. SchülerInnen mit einem gewissen Grad an Selbstständigkeit, haben die Möglichkeit ihre eigene Persönlichkeit herauszukristallisieren, indem sie sich freiwillig sozial engagieren können und sie somit selbstständig Projekte entwickeln, bei denen sie engagiert an verschiedenen regionalen Prozessen teilnehmen. Die Einschränkung bis zum vollendeten zehnten Jahrgang ist damit zu begründen, dass der zeitliche Aspekt in der Oberstufe im Hinblick auf die näher rückende Hochschulreife berücksichtigt wird.

 

Es ist unsere Pflicht, Mitmenschen zu helfen, ohne dabei unser Wohltun zu gefährden. Darüber hinaus entsteht ein Gefühl für das Leben miteinander und den Umgang mit anderen Menschen. Beim Helfen entstehen positive Emotionen, welche wiederum dafür genutzt werden können, neue Motivation zu schöpfen. Das soziale Miteinander wird durch Projekte wie „JuMp – Jugend unterstützt Mitmenschen persönlich“ gefördert. Die Wahrnehmungen der SchülerInnen werden erweitert, ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen gesteigert. Des Weiteren wachsen SchülerInnen durch das gemeinsame Arbeiten an verschiedenen Projekten zusammen. Zudem identifizieren sich die SchülerInnen idealerweise zunehmend mit ihrer Schule und begreifen sie als ihren lebensweltlichen Ankerpunkt.

Das Konzept von „JuMp“ ist ausschließlich durch die herausragende und engagierte Arbeit von 15 SchülerInnen entstanden. Sie haben nicht nur die didaktische Vorarbeit und exemplarische Projektentwicklung geleistet. Vielmehr haben sie das vorliegende Konzept redaktionell konzipiert und erarbeitet. Durch die Konzeptionierung eines Wahlprofils wurde der Rahmen geschaffen, soziales Engagement in den schulischen Alltag zu implementieren und Lernen durch Handeln zu bewirken. Und dabei haben die SchülerInnen so gute Arbeit geleistet, dass die Schulleitung sich sofort einig war – wir bieten ein neues Profilfach an. Seit dem Schuljahr 2016/2017 läuft „JuMp“ nun als regulärer Profilkurs.

In diesem vierstündigen Kurs arbeiteten ca. 24 SchülerInnen innerhalb verschiedener Bereiche daran, soziale Projekte zu planen und umzusetzen. Bis Juli 2017 sind daraus vier Formen des Engagements erwachsen:

 

1. Engagement Bergedorfer Tafel: Vier sehr begeisterte SchülerInnen haben die Tafel unterstützt, indem sie abwechselnd wöchentlich vor Ort Lebensmittel ausgeteilt haben.
2. Engagement Geflüchtete: In Kooperation mit dem Jugendzentrum „JUZ Vierlanden“ plante die Projektgruppe „Freunde“ zunächst einen Film-Und-Pizza-Nachmittag, den ca. 30 Jugendliche besucht haben. Anschließend wurde ein Tischtennisturnier geplant und umgesetzt. Obwohl das tatsächliche Event eine Weile auf der Kippe stand, hat es dann doch noch Ende Juni in der Schule und nicht im Jugendclub, wie zunächst geplant, stattgefunden, allerdings mit weniger Geflüchteten als erhofft.
3. Engagement Tierheim: Dieses Engagement ist nicht wie gedacht zustande gekommen, so dass sich hier die beiden Schülerinnen etwas anderes einfallen lassen mussten. Sie waren dann in einem Seniorenheim, um dort behilflich zu sein. Allerdings wurde auf beiden Seiten schnell bemerkt, dass diese Unterstützung insbesondere mit dementen Menschen für die Schülerinnen eine besondere Herausforderung darstellt. Daher haben sie ihr Engagement im Seniorenheim nach einigen Terminen abgeschlossen und widmen sich nun der angeschlossenen Grundschule der Stadtteilschule, um Angebote zu realisieren: Bastel- und Vorlesesequenzen sind in der Überlegung für das nächste Schuljahr.
4. Engagement Kinderkrebsstation: Diese Projektgruppe hatte sehr früh den starken Wunsch, die Kinder auf der Kinderkrebsstation des UKE zu unterstützen. In der Schule haben sie nachgedacht und geplant, was genau sie auf der Station mit den Kids machen möchten. Sie haben sich gemeinsam mit den Kindern Kuchenbacken und Basteln vorgenommen. All das fand in einem 2-wöchigen Turnus statt.

 

Was war das Geheimrezept für den Projekterfolg?
Wichtig war, dass wir als Projektleiter (Herr Kruse und Herr Opitz) in der Gruppe und im Kontakt mit den SchülerInnen immer einen Schritt zurückgegangen sind, um ihnen den Vortritt zu lassen. Die innere Haltung stand dabei fest: das ist das Ding von der Schülerin oder von dem Schüler. Wir können ihr oder ihm aber gerne helfen, indem wir den SchülerInnen zum Beispiel Mut geben, Probleme untereinander zu klären. Für uns LehrerInnen war und ist das immer eine Gratwanderung. Wir möchten die Schülerinnen und Schüler nicht in eine Richtung drängen, sind aber mit unserem eigenen Anspruch an das Projekt konfrontiert und lernen so auch immer etwas dazu! Wenn die Schülerinnen und Schüler wirklich ihr eigenes Ding umsetzen, entwickelt sich eine erstaunliche Eigendynamik, die sowohl für uns Lehrer, als auch für die Schülerinnen und Schüler etwas Besonderes ist. Im neuen Schuljahr starten wieder 22-24 Schülerinnen und Schüler mit ihrem Engagement innerhalb des Profils.

 

Und das sagen SchülerInnen zu ihren Erfahrungen:
„Ich habe gelernt, dass es nicht schlimm ist, wenn es eine Absage gab.“
„Ich habe die ganze Zeit gearbeitet, obwohl meine Kollegen nicht gearbeitet haben. Für mich persönlich war es gut, ich hätte mir aber ein bisschen mehr Hilfe gewünscht.“

 

Unsere Tipps für andere Schulen:
• Um ein solches Projekt umzusetzen, muss es Luft in der Stundenplanung geben.
• Es wäre schön, wenn in den Köpfen des Kollegiums Platz wäre und die Noten für zumindest einen bestimmten Zeitraum erstmal nachrangig eingestuft und das eigene Engagement und das der SchülerInnen in den Vordergrund gerückt würden.
• Die Schulform ist wichtig: Wenn es Wahlangebote gibt, dann hat die Schule große Möglichkeiten.

 


Das macht Schules Kommentar: Ein Projekt voller Engagement und Vielfalt – genauso wie es sein soll. Wir wünschen gutes Gelingen für die nächste Runde!


 

Auszeichnung

Die Auszeichnung wurde im Oktober 2017, duch Herrn Dornquast, Beziersamtsleiter, übergeben. Hier ein Auszug aus der Laudatio:

 

 

Beeindruckt hat uns, wie Sie Ihre Schüler unterstützt haben, sich zu engagieren. Schülerinnen und Schüler entwickelten im Rahmen des Projekts Jugend unterstützt Mitmenschen persönlich (JuMp) ein projektorientiertes Unterrichtsfach. Durch die herausragende Arbeit der Projektgruppe ist das Konzept von JuMp entstanden. Es stärkt das soziale Handeln der Schüler und integriert soziales Engagement in den Schulalltag. Die Schulleitung war von dem Ergebnis so begeistert, dass sie es sofort als neues Profilfach aufgenommen hat. In dem Kurs planen Schüler soziale Projekte und setzen diese um, wie die Unterstützung der Bergedorfer Tafel, einen Film- und Pizzanachmittag für geflüchtete Jugendliche, Basteln auf einer Kinderkrebsstation. Ihre Schule lebt vor, wie Engagement funktioniert – dafür zeichnen wir Sie aus. Das Praxisprojekt der Stadtteilschule Kirchwerder ist ein Vorbild für ganz Deutschland.