Weidentunnel 2.0 mit Blumenupdate

Steckbrief

Freies Projekt

39365 Ummendorf (Sachsen-Anhalt)

Grundschule

Projektleiter: Christian Grabow

Klassenstufe: 1-4

Teilnehmer: 10

Läuft bis: 16.05.2018

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Vor einigen Jahren wurde auf unserem Schulhof ein Weidentunnel mit viel Hingabe angelegt. Leider ist unser Boden aber nicht der Beste, da der gesamte Bereich vor vielen Jahrzehnten mit Bauschutt aufgefüllt und eingeebnet wurde.  Deshalb wuchsen die jungen Weidenpflanzen auch nicht wirklich an oder starben schnell ab. Einige Stecklinge waren bereits abgebrochen, hingen nur noch mit anderen lose zusammen und bildeten nicht nur ein trauriges Bild, sondern auch gefährliche Stolperfallen, je mehr entfernt wurden und Löcher und Lücken im Tunnel entstanden.

 

Die Reste sollten schließlich auch noch entfernt werden, aber dadurch entstand halt wieder eine tote Ecke auf dem sonst abwechslungsreichen und schönen Schulhof. Die Idee des Tunnels sollte aber nicht aufgeben werden, denn man konnte ja auch einfach etwas weiter denken. Bäume wachsen also nicht an, aber wie sieht es mit Blumen aus? Wenn die sogar in einem Topf oder einem Balkonkasten wachsen können, warum nicht auch in einem kleinen Graben voller Erde…oder halt in zwei Gräben, über die ein Rankgitter aus den alten Weidenruten gespannt wird und damit ein neuer Tunnel entsteht?

 

Gesagt, getan und wieder entstand aus der Not eine Tugend und ein neues Ferienprojekt.

Zehn Kinder, drei Eltern und unsere Referendarin packten in den Pfingstferien gemeinsam mit unserem Schulsozialarbeiter an und zeigten abermals, wie man sein Lernumfeld attraktiv und innovativ gestalten kann.

 

Vom alten Tunnel waren nur noch wenige Reste übrig und so benötigten wir doch mehr Material als zunächst gedacht. Aber gesunde Äste von Bäumen abschneiden? Das kam für uns nicht in Frage. Wie es der Zufall nun mal so oft will, lagen im Garten  des Schulsozialarbeiters (ok, mit knapp 8000qm eher eine Selbstversorgungsrücklage für den Fall einer Katastrophe)  eine große Menge alter Äste und abgestorbener Bäume auf einem Haufen, die nach mehreren Einsätzen auf dem Gelände übrig geblieben waren, auch vom Museumsgelände konnten noch einige große Äste besorgt werden, die sonst auch nur auf dem Kompost gelandet oder zur Gründhalde transportiert worden wären. Genaugenommen ist es also kein „echter“ Weidentunnel, sondern ein Apfel-Kirschen-Pflaumen-Birnen-Haselnuss-Flieder-usw.-Tunnel.

 

Letztlich war es mehr als eine ganze Transporterladung voller trockener großer Äste und kleiner Baumstämme, die die Grundlage für den neuen Tunnel bilden sollten. Dazu wurden 20 Säcke Blumenerde a 40 l besorgt (Im Komposthaufen unseres Schulgartens war leider noch nicht genug
Humus.), Sisalband zum Verbinden und natürlich Samen von Blumen, die sich gern an allem Möglichen hochrankeln (Wicken, Trompetenblumen, etc.).

 

 

 

 

Zunächst wurden die beiden Gräben gezogen, die die Basis für den Tunnel und den Wuchsbereich der Blumen bilden sollten. Unsere Schulleitung hatte sich gewünscht, dass der Tunnel nicht einfach eine Röhre sein, sondern auch etwas Abwechslung bieten sollte, z.B. einen Knick. Wir zogen die Gräben also um einen großen alten Baum herum und achteten dabei natürlich auf einen ausreichenden Abstand, um die Wurzeln nicht zu gefährden. Spitzhacke und Spaten brachten die Arbeiten nicht nur schnell voran, sondern auch so manchen ins Schwitzen.

 

 

 

 

Den Erdaushub konnten wir zum Glück in der unmittelbaren Umgebung verteilen, bzw. nutzen, um einige Löcher im Boden zu füllen. Und schon  begannen wir, die ersten Streben in Form mehrerer Torbögen aufzustellen und diese untereinander mit kleineren Ästen zu verbinden.

 

 

 

 

 

 

Wir kamen schnell zu der Feststellung, dass das zunächst geplante Sisalband zwar auch funktioniert, aber die Arbeit mit Bindedraht wesentlich leichter, effektiver und sicherlich auch langlebiger ist und dabei nur geringfügig kostenintensiver.Schon am ersten Tag stand ein Großteil des Grundgerüstes und man war über den schnellen Fortschritt doch sehr erstaunt.

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag wurden die restlichen Materialien verbaut und große Löcher zwischen den Bögen und Verstrebungen so gut es ging, gestopft. Ein Grund für das Scheitern des ersten Tunnels waren leider auch einige Unbelehrbare, die immer wieder zwischen den jungen Ästen von außen in den Tunnel einstiegen, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass man etwas abbrechen könnte was lebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als nächstes stand natürlich die Einbringung der Blumenerde auf dem Plan und der Höhepunkt – das Aussäen der Blumensamen. Jeder durfte jeweils ein ganzes Päckchen Samen verteilen und achtete dabei auch darauf, dass die angegebenen Abstände eingehalten wurden. Das Angießen wurde natürlich ebenfalls nicht vergessen, genauso wie das Aufstellen einer Absperrung an den Seiten des Tunnels zur Mauern hin, damit niemand auf die Erde trampelte und die jungen Pflanzen in Ruhe wachsen konnten.

Ein weiteres Projekt fand seinen Abschluss und führte wieder dazu, dass alle sehr stolz auf ihr Werk waren. Viel Spaß gehörte natürlich auch dazu und viele schöne Erinnerungen werden bleiben  und immer wieder auftauchen, wenn man den Tunnel sieht.

 

 

 

 

 

 

Der Tunnel wurde nach den Ferien schnell von den SchülerInnen in Besitz genommen und ausprobiert. Die Blumen ließen auch nicht lange auf sich warten und die ersten zarten Pflänzchen waren schon nach ein paar Tagen zu sehen. Leider war der Sommer 2018 enorm heiß und man kam mit dem Gießen kaum noch nach. Aber da die Kinder den Tunnel inzwischen so sehr für sich vereinnahmt hatten, war es selten ein Problem jemanden zu finden, der Gießkannen schleppen wollte.

 

Auch bei diesem Projekt standen Nachhaltigkeit und Synergie in der Projektplanung weit oben. Der Tunnel sollte nicht nur dazu dienen, den SchülerInnen (und dem Lehrpersonal natürlich auch) viel Freude zu bereiten, sondern auch Anschauungsmaterial für den Sachunterricht liefern, z.B. bei den verschiedenen Blütenformen. Diese dienen zudem auch als Nahrung für Insekten, die man mit etwas Glück ebenfalls bald beobachten konnte, z.B. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Auch die Abfolge von Aussaat, Keimung, Wachsen, Blühen, Samen bilden und Vergehen konnte anschaulich aufgezeigt werden.

 

 

 

 

 

 

Durch die Witterungsbedingungen wuchsen die Blumen nicht so dicht wie erhofft. Allerdings waren die vielen verschiedenen Blüten dennoch ein toller Hingucker und lieferten zudem viele neue Samen für das nächste Jahr. Es entwickelte sich bald ein regelrechter Wettbewerb, wer an einem Tag mehr neue Samenkapseln entdeckte.

 

 

 

 

Über die Zeit erkannten wir auch, dass der Tunnel noch lange nicht fertig war, denn immer wieder brechen einmal Äste durch oder es taten sich wieder Löcher auf. Auf einem Schulhof mit lebhaften Kindern ist dies aber auch nicht verwunderlich, auch wenn alle sehr darauf achteten, den Tunnel nicht zu beschädigen und auch darauf aufpassten, dass niemand von außen einstieg. Aber auch hier ergaben sich neue Möglichkeiten und Ideen. Seitdem der Tunnel existiert, liegen äußerst selten Stöcke oder Äste auf unserem Schulhof herum. Bevor sie entsorgt werden, steckt man sie lieber in den Tunnel, um den Blumen noch mehr Rankmöglichkeiten zu geben und vorhandene oder entstandene Lücken zu schließen. Sogar unser Weihnachtsbaum wurde nach seinem Einsatz auf diese Art und Weise recylet. Außerdem wurde die Höhe noch etwas angepasst, indem die Bögen noch ein wenig steiler gestaltet wurden. Da die gesamte Kontruktion flexibel ist, war dieser Eingriff kein großes Problem. Hineinragende oder abstehende Äste werden von den Kindern in der Regel selbst wieder fixiert oder so unter andere drunter gesteckt, dass sie keine Gefahr mehr darstellen.

Wir freuen uns schon darauf, die Samen in diesem Jahr wieder auszubringen und sind gespannt, ob sich vielleicht neue Farbvarianten ergeben werden.

 


Das macht Schules Kommentar: Es ist toll zu lesen, wie die Schülerinnen und Schüler weiterhin Verantwortung für den Weidentunnel auf ihrem Schulhof übernehmen und dafür sorgen, dass er weiter wächst!